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jura
  • Radtourenbericht vom Samstag dem 28. August 1999 bis Montag dem 30. August 1999.
  • Unsere gemĂĽtliche Juratour

  • Einleitung
  • Erster Tag - Solothurn - Moutier
  • Zweiter Tag - Moutier - Villers de Lac
  • Dritter Tag - Villers de Lac - Col de Faucille - Cessy
  • Schlusswort
  •  

  • Teilnehmer:
  • Martin
  • Wilfried
  •  

    Einleitende Worte

    Banis und Martins Familie wollen eine Woche bei unseren Freunden Ans und Gerd in Cessy (Frankreich) verbringen. Es liegt knappe 20Km von Genf entfernt. Ich habe ans radeln dorthin gedacht. Doch alleine macht es nicht den Spaß. Martin bekommt grünes Licht von Anita. Er darf mit mir radeln. Bani möchte die Zeit lieber mit seiner Familie zusammen genießen. Aber er will uns am Schlusstag entgegenradeln.

     

    Alles weitere begann also am Samstag den 21.08.1999 mit einem Anruf.

     

    Sehr oft entwickeln sich spontane Entscheidungen als die besten im Leben!

     

    Ich schwinge mich auf mein treues Boxerbike und fahre zum Martin rüber. Nun fixieren wir beide gemeinsam mittels Excel und PC aus der guten Michelin-Karte unsere Höhenmeter und Km in eine Tabelle rein. Ruckizucki einen Rahmen gelegt gibt’s daraus ein Höhenprofil. In vier Tagen wollen wir die nun geplanten 266Km und 2548 Höhenmeter fahren. Nächstes Wochenende wollen wir bereits starten.

     

  • Unsere Vorplanung:
  • 1.Tag bis Moutier: 50Km/595Hm;
  • 2.Tag bis La Chaux de Neuff: 62Km/991Hm;
  • 3.Tag bis Morez: 124Km/341Hm;
  • 4.Tag bis Cessy: 30Km/621Hm).).
  • 1. – 4. Tag Summe: 266Km/2548Hm
  • Ganz gemĂĽtlich eigentlich unsere Juratour. So richtig zum Ausradeln nach den Dolomiten 1999!
  • Erster Tag

  • Hauptteil
  •  1. Tag: Samstag der 28.08.1999
  •  Start: Autobahnparkplatz Gunzgen -> Moutier: Hotel de la Gare:
  • 14:30 Uhr ab - 18:30 Uhr an
  • ScheltenpaĂź an
  • TM Tag2  = 02:15: 
  • 17:05 Uhr an – 17:10 Uhr ab
  • Ziel: Moutier: Hotel de la Gare (120SFr): 18:30 Uhr an
  • AVS Tag1=18,7 Km/h
  • DST Tag1=66,02 Km,
  • MAX Tag1=61,4Km/h
  • TM Tag1=03:31:53
  • HMTag1=1345m
  •  

    Morgens um 08:00 Uhr lade ich wegen der Packtaschentauglichkeit mein altes und bewährtes Dawes Trekking Rad auf meinen Astra auf. Mein TREK wäre overdressed für diese gemütliche Juratour. Außerdem habe ich dank Packtaschen den Rücken frei. Nachdem das Gepäck eingeladen worden ist geht’s zum Martin rüber. Die Familie Stöhr frühstückt noch. Um 09:00 Uhr geht’s nach dem Gepäckumladen los. Der Bani kommt zum Hymer-Mobile Parkplatz in Bad Waldsee. Dort wollen wir gegen 10:00 Uhr gemeinsames Rendezvous haben. Martin kommt als erster an. Wir rätseln im starken Regenguss ob Bani das andere Hymerwerk angefahren hat. Wir fahren also vom Parkplatz wieder raus. Da kommt uns Bani entgegen. Fast wie auf die Minute.

    Gemeinsam fahren wir nun nach Meersburg. Mit der Autofähre setzen wir über das schwäbische Meer. In Konstanz rollen wir über die Bordklappe und es geht weiter durch das total verstaute Konstanz (D) . Welche Spur ist die richtige? Links? Rechts? Oder die Mitte? Rauf auf die Vignetten-Autobahn N7 (CH), endlich. -> Winterthur -> Zürich -> N1 -> Dietikon -> Wettingen -> E17 -> Aarau -> Oftringen -> Raststätte Grunzgen (Egerkingen, CH) . Mächtig viele Baustellen auf der gesamten Strecke.

     

    Hier machen wir alle erst mal Mittagspause. Pferdesteak werde ich heute das erste mal im Leben genieĂźen. Wirklich zart, schmackhaft und empfehlenswert. Die Kinder sind mit Pommes bestens bedient. Die anderen nehmen ein Schnitzel oder sonstige Leckereien.

    Um 14:30 beginnt unsere gemĂĽtliche Juratour. Erst mal das obligatorische Startfoto (Foto 1). Und dann schleichen wir uns durch die Parkschleuse auf den Teerweg nach Egerkingen  rein. Klingt ja fast wie Ingerkingen oder Ederkingen, aber nur fast. Der Himmel ist schwer mit Wolken bepackt die Luft dabei angenehm warm. Wahrscheinlich werden wir heute noch unsere Regenklamotten benötigen.

     

    Geplant haben wir ĂĽber Bärenwil zu fahren. Aber ein auskunftsbereiter MTB-Fahrer gibt uns den Tip am Start nicht so gäh loszulegen, sondern erst mal, verkehrsberuhigte Radwege zu fahren. Also fahren wir abweichend vom Plan den Radweg ĂĽber Oberbuchsiten -> Oensingen  ->-> Balsthal (484m) -> MĂĽmliswil (942m) -> Ramiswil (942m).  In Oberbuchsiten erwischt uns erst mal ein heftiger Regenschauer. Schwuppdiwupp schaffen wir es trockenen Hauptes unter ein groĂźes Bauernhofvordach. Die pferdestriegelnden Mädchen schauen uns dabei lächelnd an. Es hört wieder auf zu regnen. Weiter nur im Shirt. Es ist ja so schön warm.

    In Oensingen erwischt uns wieder ein Schauer. Diesmal muss das Vordach einer Ladenkette uns Schutz geben. Martin will sich umziehen. Doch ich denke es geht ohne. Wir warten noch ein bisschen und weiter geht’s nur im Shirt.

     

    Nun sind wir in Balsthal angelangt. Vor uns sehe ich einen Rennradler stĂĽrzen und rätsle wie das wohl gegangen ist. Dann ĂĽberqueren wir den BahnĂĽbergang. Mein Vorderrad verklemmt sich in den Schienen und schon liege ich am Boden. Lenker verbogen. Regenschutz der Packtaschen verschrammt. Leichte SchĂĽrfwunde am Bein. Eigentlich noch GlĂĽck gehabt. Lernt man beim 1er FĂĽhrerschein ĂĽbrigens, das ĂĽberqueren von Gleisen, so viel zur Praxis!  

     

    Danach kommt der Kreisverkehr. Hier fahren wir eine Ausfahrt zu spät raus, Richtung direkt nach Moutier. Wir wollen aber ĂĽber den giftigen ScheltenpaĂź (1051m) nach Moutier (529m).  Nach ein paar Kilometern im nächsten Dorf merken wir das, anhand der Karte. Also ganz eben zurĂĽckgestrampelt. Wieder um den besagten Kreisverkehr. Richtung Passwang diesmal raus. Wir fahren durch das schöne Guldental. Leicht steigt die verkehrsarme StraĂźe an. Rechts am Hang begleitet uns lange eine StĂĽtzmauer. Meine Packtaschen berĂĽhren sie einmal. Wieder ein StĂĽck verschrammt und dadurch undicht. Kurz darauf mĂĽssen wir links das schmalere Sträßchen weiter zum ScheltenpaĂź, rechts geht’s zum Passwang hoch(Foto 2,3) . Kurz danach beginnt es wieder leicht zu regnen. Deshalb das Regengewand an. Um 17:05 Uhr stehen wir oben auf dem giftigen ScheltenpaĂź (1051m).

     

    Nun rollen wir 521m abwärts . Mervelier (615m) -> Corban  -> Courehapoix ->  Vicques -> Roches –> Moutier (529m) . Kurz vor dem Etappenziel laden schöne Auberges mit Preistafeln zur Ăśbernachtung ein. Am Ortseingang links steht auch ein Hotel. Wir fahren erst mal ins Zentrum. Es ist nun 18:30 Uhr. Das Wetter hat sich verzogen. Keine Regenwolken mehr am Himmel. Dieses Wochenende ist Stadtfest in Moutier. Am Kassahäusle erkundigt sich Martin nach einem preiswerten Quartier. Der Mann schickt uns ins Hotel am Bahnhof. Martin klärt vorab mit der Chefin. 120 SFr wollen sie haben. Die Zimmer sind frisch renoviert und modern ausgestattet. Wir warten noch mit der Zusage. Wir haben ja noch Zeit. Also zurĂĽck an den Stadtrand. Dort wollen sie in dem äuĂźerlich nicht so ansprechendem Hotel gleich 30 SFr mehr. Keine Frage. ZurĂĽck ins Bahnhofs-Hotel und einquartieren.

     

    Dieser Tag war etwas abweichend von unserer Planung:

  • 16Km mehr und
  • 750Hm mehr:
  • Fehler in % => +32%Km  / +126%Hm!
  • Im groĂźen und ganzen aber nicht sehr anstrengend fĂĽr uns. Wir wollten sogar noch weiterfahren. Aber der Jahrmarkt, die Zeit und die GemĂĽtlichkeit wollten uns hier festhalten.

     

    Nun ziehen wir uns erstmal aus, duschen, am SchluĂź ganz kalt und mit festem Strahl!  Dann in die frische Sporthose und Sweatshirt zum Ausgehen. Zum Abendessen nehmen wir eine Pizza im Hause. Dazu zwei groĂźe Flaschen Schweizer Bier. Bezahlen. Mittlerweile ist es nacht. Wir mogeln uns am Kassahäusle (5SFr) vorbei und die Nacht nimmt ihren Verlauf. Wir bummeln von Stand zu Stand, von Theke zu Theke, von einer Weinlaube in die andere Weinlaube. Dabei lassen wir schon das eine oder andere BratwĂĽrstchen oder Viertele zwischen unseren Backen verschwinden. So gegen 01:00 Uhr geht’s Richtung Bahnhof zurĂĽck. Dort schlieĂźt der Chef gerade sein Lokal. Also kein letzter Schlummertrunk mehr. Hoch ins Zimmer. Die Nacht verläuft ohne weitere Erkenntnisse.

    Zweiter Tag

  • 2. Tag: Sonntag der 29.08.1999
  •  Start: Hotel de la Gare –>Auberge Villers de Lac:
  • 08:30 Uhr ab - 19:15 Uhr an
  • Bauernhof: frische Milch mit Käseplatte
  • 11:00 Uhr an – 11:30 Uhr ab
  • Mittagspause: kurz nach Mont Crosin:
  • 12:45 Uhr an - 14:05 Uhr ab
  • AVS mittag2=11,8Km/h,
  • DST mittag2=37,81 Km,
  • MAXmittag2=61,4Km/h,
  • TM mittag2=03:11:18,
  • HM mittag2=1655m
  • Ein Dörfchen: CafĂ© ole mit Apfelkuchen: 
  • 16:00 Uhr an – 16:30 Uhr ab
  • Ziel: Auberge Villers de Lac (F):
  • 19:15 Uhr an
  • AVS Tag2=13,9Km/h,
  • DST Tag2=91,76 Km,
  • MAX Tag2=61,4Km/h,
  • TM Tag2=06:36:16,
  • HM Tag2=3075m
  •  

    Gegen 07:30 Uhr sitzen wir am FrĂĽhstĂĽckstisch. Der freundliche Seniorchef bedient uns. Wir sind zufrieden mit dem gereichten. Es gibt ausreichend. Kaffee bestellen wir nach. Wir zahlen unsere Rechnung und los geht’s wieder mit der gemĂĽtlichen Juratour. Das Wetter ist gut. Keine Regenwolken am Himmel und angenehm warm. Erst mal fahren wir durch die Budenstadt. Ein paar Durchmacher wanken uns entgegen oder lehnen noch an den Tresen. Deren Gesichter sind vom Alkohol und dem Schlafmangel gezeichnet. Kurz nach Moutier geht’s dann rechts ab. Es geht ein kleines Sträßchen nach Les Ecorcheresses (913m)(Foto 4)  hoch. Dort oben entdecken wir an einem Bushaltehäuschen (Foto 5)  eine Relieflandkarte mit den Juraradwegen.

     

    Wir weichen von unserer Planung nun zum zweiten Male ab. Wir entscheiden uns, den Juraweg No. 5 mit den roten Wegweisern zu nehmen. Zielort ist ebenfalls La Chaux de Fonds (1073m). Ăśber schöne schmale Teerwege fĂĽhrt uns nun dieser herrliche Radwanderweg quer durch den Jura. Die ganze Strecke ĂĽber brauchen wir nicht auf der Karte nachschauen, nur den roten Wegweisern nach mit No. 5. Geplant war: Le Pichoux (728m) -> Les Genevez (931m) -> Le Cernil ->  La Teurre (1016m) -> Les Breuleux (1035m) -> La Ferriere (981m). Martins Tacho streikt auf einmal bei jedem Lenkereinschlag. Hoffentlich hält meiner durch! Schöne Wälder. Ab und an einzelne Radler die uns begegnen. Es ist ein laufendes auf und ab, bestimmt zehn bis zwölfmal, eher öfters, wir zählen´s gar nicht mehr mit. Mein Schweizer Thommen in der Ledertasche um den Lenker gewickelt beweist es. Banis Leihgabe der Avocet zeigt immer die richtige Höhe (Foto 6,7)  an. Unsere Oberschenkel als BrĂĽcken zum Thommen geschaltet. Ein Nullableich durchgefĂĽhrt. Passt alles. Und wer es nicht glaubt kann sie ja nachfahren. Unsere gemĂĽtliche Juratour.

     

    So gegen 11:00 Uhr kommen wir an einem Bauernhof vorbei. Ein Schild mit „Frische Milch“ weist uns einladend den Weg. Man deckt Biergarnituren mit grünen Tischdecken. Dies ist kein Lokal hier. Ein Familienfest wird vorbereitet. Wir bekommen jeder ein Glas Milch. Die Frage nach einem Stück Käse mit Brot beantwortet die Mutter schüchtern: „Wenn Sie mit dem zufrieden sind was wir haben?“ . Es werden uns ca. 2Kg Käse in vier Sorten mit Brot gereicht. Zaghaft essen wir jeder eine Scheibe Brot und jeweils ein Stückchen von jeder Käsesorte zu unserem Glas frischer Milch. Der Hund frisst die Käserinde gerne. Wir rätseln was wir wohl bezahlen müssen. Wir rechnen schon mit einem Geschenk. Dann kommt es aber anders. Martin fragt nach der Rechnung. Der Sohn ruft ins Haus. Die Mutter antwortet „Nimm von jedem 10SFr!“. Nein das ist zu viel. Freiwillig geben wir zusammen 10SFr. Wir haben ja nur ein Versucherle gemacht. Bei der Weiterfahrt machen wir uns laut Gedanken wie viele der gemütlichen Juraradler diese scheinheiligen Wegelagerer schon ausgenommen haben.

     

    Gegen 12:45 Uhr stehen wir auf dem Mont Crosin (1223m)(Foto 8,9). Kurz dahinter kehren wir zur Mittagspause ein. Eine gute Stunde rasten wir hier. Wahrscheinlich vom Bier benebelt nehme ich den falschen Weg. Anstatt wieder zurück auf die Teerstraße zu rollen fahre ich hoch zu den Windkraftanlagen. Und von da an verfahren wir uns kräftig. Es folgt nun ein Trial. Angefangen von der Überquerung einer Kuhweide mit elektrischem Zaun und Inhalt. Bauernhof mit motocrossbegeisterten Kindern und freilaufenden großen Hunden. Weiter über irgendwelche anderen MTB-Routen nur nicht unsere. Ein ebenfalls verfahrenes MTB-Biker Pärchen mit genauer Karte hilft uns weiter. Sie staunen über unsere gemütliche Juratour. Dann am Schluss geht’s runter im Wald auf einem Bergpfad bis wir wieder auf einer Teerstraße landen (Foto 10,11,12). Von da an orientieren wir uns neu. St. Imier (814m) -> la Chaux de Fonds (1073m). Le Locle (923m), rechts die Gorges du Doubs. Eine herrliche Gegend zum bevorstehenden Sonnenuntergang. Col des Roches – Grenzübergang (CH->F). Villers de Lac (746m).

     

    Rechts die Straße bergauf. Da steht ein Mann im Garten. Er war in Pforzheim stationiert. Er fährt uns mit seinem Peugeot hoch zu einer Ferienwohnungsanlage. Die Räder stehen derweil geschützt in der Garage. 400Hm geht’s da noch mal steil bergauf. Die Preisverhandlungen sind unschlagbar günstig. Also wieder runter mit dem Auto. Und aufwärts geht’s. Die steilste Stelle schieben wir unsere Bikes. Das Quartier haben wir ja. Als wir oben angelangt sind werden die Räder neben dem Rasenmäher verstaut. Direkt an unserer Ferienwohnung zieht im Winter hier die Langlaufloipe vorbei. Ein toller Ausblick über den Jura. Wir wollen nur noch unseren Schweiß von der Haut duschen. Die adrette Frau bereitet uns zwischenzeitlich eine Käse- und Schinkenplatte. Wir hatten mittags ja was warmes. Wir sind damit zufrieden. Zwei kleine 0,25l Bierchen für je 15FFr dazu. Alles steht schon im Computer drin. Die Frau ist die Nachbarin des Hauses. Sie vertritt den Chef, er befindet sich im Urlaub. Die Nachbarin bleibt so lange auf wie wir benötigen.

     

    Während dem Nachtessen entscheiden wir zwei, dass wir uns die dritte Übernachtung sparen. Wir fühlen uns stark genug, die letzte Etappe auf einer Arschbacke abzusitzen. Es wird zwar eine lange Strecke sein, doch die Höhenmeter scheinen nach den heutigen geschafften dreitausend deutlich weniger zu werden. Bani wird angerufen zwecks dem Rendezvous am morgigen Tag. Bani erkundigt sich nochmals erstaunt, ob wir wirklich den morgigen Tag uns treffen wollen. Geplant war doch eigentlich der Dienstag.

    Wir lassen uns noch eine große Käseplatte richten. Und nehmen noch drei Literflaschen Rhonewein mit aufs Zimmer runter. Wir schaffen nur zwei von ebenselben, dazu den würzigen Käse mit Brot. Martin schockt mich mit seinem Durst. Als ich vom WC zurückkomme, hat er die eben angebrochene Weinflasche in meine Trinkflaschen umgefüllt. Vor zwölf Uhr fallen mir die Augen zu. Unsere gemütliche Juratour zeigt ihre ersten Wirkungen. Wir legen uns nicht ins bezogene Doppelbett, wie extra darauf hingewiesen, sondern in die Stockbetten. Diese Nacht geht rasend schnell vorbei.

     

    Dieser Tag war äußerst abweichend von unserer ursprünglichen Planung.

  • 29,76Km mehr und
  • 2084Hm mehr:
  • Fehler in % => +48%Km  / +210%Hm!
  • Dem Juraradweg No. 5, den Autokarten statt Wanderkarten zur Routenwahl (einfach weniger Höhenangaben) schreiben wir diese Abweichungen zu. 

    Dritter Tag

  • 3. Tag: Montag der 30.08.1999 
  • Start: Auberge Villers de Lac -> Gerd:    
  • 08:00 Uhr ab - 19:30 an Uhr
  • Lebensmittelladen: Obst u. Cola  
  • 11:30 Uhr an – 12:00 Uhr ab
  • Mittagspause: Chaux de Neuff:
  • 13:45 Uhr an - 14:30 Uhr ab
  • AVS mittag3=19,3Km/h,
  • DST mittag3=83,49Km,
  • MAX mittag3=58,2Km/h,
  • TM mittag3=04:19:22,
  • HM mittag3=1460m
  • Capelle, Bani getroffen:,
  • 15:20 Uhr an - 15:30 Uhr ab
  •  Les Rousses, Bier-Pause: 
  • 17:30 Uhr an - 18:15 Uhr ab
  • Col de la Faucile, Passfoto
  • 19:00 Uhr an - 19:15 Uhr ab
  • Ziel: Cessy (F): 19:30 Uhr an
  • AVSTag3=19,2Km/h,
  • DST Tag3=149,06 Km,
  • MAXTag3=66,2Km/h,
  • TMTag =07:45:11,
  • HM Tag3=2620m 
  •  

    Am Morgen um 07:00 Uhr gibt’s von der attraktiven Pariserin ein Frühstück mit Kaffee deutscher Art, vom Dorfbäcker nur für sie gebackenes Graubrot und selbst gemachte Marmelade. Ihr Mann ist Tiroler und Uhrmachermeister bei EBEL. Er macht Service weltweit. Sie hat längere Zeit in Innsbruck gelebt und kann deshalb so gut deutsch.

    Während wir frühstücken, setzt sie sich neben uns und erzählt viel aus ihrem Leben. Die Rechnung für diese Nacht beträgt für jeden ca. 60,- DM. Wir sind positiv überrascht. So preiswert kamen wir noch nie davon. Das kann doch nicht nur an der fehlenden Bettwäsche gelegen haben? Nein – der Durst war nicht so groß, das Essen war ja kalt und das Quartier einfach. Zum Schluss tragen wir uns noch in das Gästebuch des Hauses (1150m) ein. Unsere gemütliche Juratour ist nun manifestiert. (Foto 13)

     

    Erst mal dĂĽsen wir abwärts. Linkerhand das Haus unseres liebenswerten Franzosen, ich sehe es gar nicht mehr vor lauter Speed. In Villers de Lac (746m) unten angelangt. Es geht rechts weiter auf der D461. Fast eben geht nun die StraĂźenfĂĽhrung weiter. An den Quellen des Doubs vorbei.  Morteau (772m) ist die Partnerstadt zu Vöhrenbach im Schwarzwald. Das ist eine berĂĽhmte Uhrmachergegend hier! Auf einmal befindet sich genau in der Mitte der viel befahrenen StraĂźe ein rot geteerter und markierter Streifen. Ist das der Radweg? Besser nicht.

    Kurz danach müssen wir links über den Fluss Doubs. Durch Grand´Combe-Châtelaeu (967m) -> les Gras -> Comb Benoit (1056m) -> les Allies -> les Etraches. Dieses Sträßchen D47 ist schmal, wellig und verkehrsruhig.

     

    Wir erreichen Pontarlier (837m), dort machen wir in der Fußgängerzone in einem Bistro eine Kaffeepause. Statt durch die Altstadt fahren wir auf dem Pannenstreifen der Autobahn. Wir hielten uns genau an den Verkehrshinweis eines älteren Ehepaares. Kurz nach Pontarlier geht’s auf die D437 nach Oye-et-Pallet (870m). Rechts auf der D46 an dem Lac de St. Point vorbei. Da gegenüber nächtigten BMW (wahrscheinlich in Malbuisson) bei der allerersten Juratour. Weiter durch Remoray. Wir werden das Rendevouz um 13:30 mit Bani nicht schaffen. Wir fahren rechterhand an einem Obstladen vorbei. Es geht nun auf Mittag zu. Später kommt noch mal ein Lebensmittelladen rechts im Hof. Jeder greift einen Apfel und eine Birne. Eine Dose Coca Cola light aus dem Kühlfach. Das muss zur Stärkung vorerst reichen. Wir setzen uns draußen auf des Treppchen hin. (Foto 14) Ein europabegeisterter Franzose fotografiert uns beide. Weiter geht’s leicht schlängelnd das einsame Sträßchen lang. Stellenweise schieben wir unsere Räder. Kleine Dörfchen durchqueren wir. Nirgends eine Telefonzelle. Martin versucht´s bei einer Familie. Man muss ja dem Bani bzw. den bei Gerd verbliebenen unsere heutige Verspätung bekannt geben. -> Bis des Loches -> Rondeforitaine (1025m) -> Les Pottes (998m) -> Crouzet

     

    Kurz vor dem Treffen müssten wir noch mal heftig die D46 nach oben. Wir beschließen angesichts der Zeit und der notwendigen Pause hier in Chaux-Neuve (991m) erst mal eine Mittagspause mit den Motorradfahrern aus Aachen einzulegen. Die kennen sogar einen Physikprofessor aus Gerds Experiment im CERN! Aber unser Gasexperte Gerd ist ihnen total unbekannt. Ein großer Café au lait , Wasser und ein großes Baguette, vor allem Ruhe soll uns wieder Kraft spenden. Wir sitzen dabei draußen in der Sonne. Der Wind bläst uns alles nicht befestigte vom Tisch. Es ist aber trotzdem angenehm.

    Nun geht’s hochwärts durch ein schönes Almgebiet nach Chapelle des Bois (1080m): Dort war unser Treffpunkt mit Bani verabredet. Um 15:20 Uhr sind wir oben. Wir treffen unseren Entgegenradler (Foto 15).  Bani sitzt schon fast zwei Stunden hier. Er wollte soeben aufbrechen und Richtung Heimat ziehen. Er hatte währenddessen gute Unterhaltung mit der gemischten und groĂźen Holländertruppe. Er wollte nicht mehr dieses Almsträßchen runter fahren um es dann wieder hochtreten zu mĂĽssen. Immerhin kommt er heute auch auf ĂĽber 100Km. So gute 60Km seien es noch offenbart uns Bani. Inzwischen haben sich heute schon ĂĽber 80Km in unseren Beinen angesammelt. Heute wird noch ein langer Tag! Wir rechnen mit guten drei Stunden Fahrt noch. Nach einem kurzen Trinkflaschenstop geht’s also gleich weiter.  

     

    Wir wählen stellenweise eine andere Rückfahrtroute wie Bani. Bei Mont (1096m) biegen wir links hochwärts ein in für Autos gesperrte aber geteerte Forststraßen. Auf und ab durch schöne Wälder durch den Foret du Risoux . Schöne einsame Strecken. Ein Langlaufparadies im Winter. Wir kommen in Les Rousses (1118m) raus. Wir müssen wieder mal rasten. Einige angelaufene Lokale entpuppen sich als geschlossen. Direkt an der Straße N5 gibt’s ein nettes Bistro. An den runden Tisch gesetzt. Die Bikes im Auge behaltend. Uns dürstet nach Bier. Martin nimmt ein Salamibaquette dazu. Bani kündigt mittels E-Plus unsere Ankunft bei Gerd an. Damit wir nicht so lange aufs Essen warten müssen.

     

    Um 18:15 Uhr geht’s mit mĂĽden Beinen weiter. Wir mĂĽssen noch sanft ansteigend den Col de la Faucille (1323m) hoch. Nach 45 Minuten haben wir unseren letzten richtigen Pass heute gemeistert (Foto 16). Nun geht’s downhill (Foto 17)  bis zu Gerd nach Cessy (515m). Es dämmert schon allmählich. Um 19:30 Uhr öffnet sich das grĂĽne video- und alarmgesicherte Tor wie von Geisterhand. Die Kinder und Frauen empfangen uns herzlich (Foto 18). Gerd ist noch mit der Installation seines neuen MacIntosh beschäftigt. Unsere gemĂĽtliche Juratour ist nun zu Ende. Die fĂĽnf Tage in den Dolomiten waren ein gutes Trainingslager. Ohne diese Vorbereitung sollte man mindesten zwei Tage mehr einplanen.

    Entscheidungen:

    Erfolg ist das Ergebnis richtiger Entscheidungen.

    Richtige Entscheidungen sind das Ergebnis von Erfahrung.

    Erfahrung ist das Ergebnis von falschen Entscheidungen.

     

    Dieser Tag war wieder abweichend von unserer anfänglichen Planung!

  • 25Km mehr und
  • 2239Hm mehr:
  • Fehler in % => +20%Km   / +665%Hm!
  • Aber wir haben das ganze in drei statt vier Tagen erstrampelt. AuĂźerdem hat es uns beiden SpaĂź gemacht.

     

  • Gesamtabweichungen:
  • 40Km mehr und
  • 4492Hm mehr: 
  • Fehler in % => +15%Km  / +176%Hm!
  •  

    Die Kilometer haben wir bei der Tourenausarbeitung im Griff aber die Höhenmeter sind immer eine Sache der Genauigkeit und Sorgfalt der Kartenarbeit. Irgendwo muss man da Kompromisse ziehen. Diese Tour wurde ja im Hauruckverfahren konzipiert. Das wichtigste ist immer die mentale Stärke die man mitnimmt auf so einer Tour. Das Team muss selbstverständlich auch gut aufeinander abgestimmt sein. Nach ca. zwei Sunden biken  eine mindesten 30min. Pause einzulegen hat sich hier mal wieder als richtig herausgestellt.

    Schlussworte:

    Die nächsten Tage verbringen wir recht faul in Gerds Garten und auf der Terrasse (Foto 19). Nur jeweils täglich kurz nach Segny reingefahren mit dem Bike, um die Backwaren beim Bäcker, die Lebensmittel im Continent Supermarkt dort zu kaufen. Die Oberschenkel verlangen nach langer Ruhepause.

     

    Die Frauen fahren mit Ans zum Shopping. Martin montiert derweil die neue Garagentorsteuerung mit Bani. Bani macht noch einen Schampustransport. Anita und Martin machen einen Jurahöhenspaziergang.Wir essen alle gut zusammen. Unter anderem Raclette, Paprikagemüse, Putenschnitzel mit Weinsauce, Aglio e Oglio, Tiramisu ohne Eier. Basta wird nächtelang gespielt. Wir lassen uns dazu den feinen Wein gut schmecken. Gerd hält die Kinder mit der ausgeliehenen Digitalkamera fest. Wir schlichten zwei Lkw-Ladungen Kaminholz an einem Nachmittag in Gerds Holzlager (Foto 20) . Gerds Geräteschuppen wird hierbei auf Ordnung getrimmt.

     

    Wir nehmen Abschied von unseren Gastgebern Ans und Gerd. Und dann ĂĽber Divonne-les-Bains D984c,  geht’s nach der Coppet-Auffahrt die Autobahn N1 wieder zurĂĽck. Die Fähre. Ein Gasthaus mit Andechser Bier.

     

  • Kartenmaterial:
  • Die Generalkarte – Schweiz 2 – Ă–stlicher Teil  â€“ 1:200000
  • KĂĽmmerly&Frey – Schweiz   â€“ 1:250000
  • Michelin 243 - Bourgogne – Franche – Comte  â€“ 1:200000
  • TOP100/45 – Annecy – Lausanne  â€“ 1:100000
  •  

    Räder: Corratec MTB 26“ und Dawes Trekking 26“

     

    Schaltungen/Komponenten: Shimano LX/XT

     

    Packtaschen: Deuter, Lenkertasche von Habermann, mit Click-Fix-System

     

    Bekleidung:

    Rino, Bicycles, Schöffel, Asics, adidas, Schuhe: Karhu, Shimano

     

    Equipment: Thommen-, Avocethöhenmesser, Ricoh500 Kleinbildkamera

     

  • AbkĂĽrzungen:
  • AVS z.B. 19,2Km/h = Durschnittsgeschwidigkeit im Laufe der Strecke in Km/h
  • DST z.B. 149,06 Km = Distanz der Strecke in Km
  • MAX z.B. 66,2Km/h = Maximalgeschwindigkeit z.B. bei einer Abfahrt in Km/h
  • TM z.B. 07:45:11 = Sattelzeit, die Zeit die man im Sattel verbrachte in Stunden:Minuten:Sekunden
  • HM z.B. 7040m = aufaddierte gefahrene Höhenmeter in m
  • BMW = Bani, Martin, Werner bei der ersten Juratour.
  •  

    Etwas Statistik:  

    Gesamtleistung

    1. Tag

    2. Tag

    3. Tag

    7040m = Höhenmeter

    1345m

    3075m

    2620m

    In Anteilen % von gesamt

    19%

    44%

    37%

    306,84Km = Distanz

    66,02Km

    91,76Km

    149,06Km

    In Anteilen % von gesamt

    22%

    30%

    48%

    17:53:20h = Sattelzeit

    3:37:53h

    6:36:16h

    7:45:11h

    In Anteilen % von gesamt

    20%

    37%

    43%

    Startuhrzeit

    14:30 Uhr

    08:30 Uhr

    08:00 Uhr

    Stoppuhrzeit

    18:30 Uhr

    19:15 Uhr

    19:30 Uhr

    Pausenzeit

    00:23:00

    04:09:00

    03:45:00

    Starthöhe

    465m

    529m

    1150m

    Tiefster Punkt

    465m

    529m

    746m

    Höchster Punkt

    1051m

    1276m

    1323m

    Zielhöhe

    529m

    1150m

    515m

    MAX

    61,4 Km/h

    61,4 Km/h

    66,2 Km/h

    AVS

    18,7Km/h

    13,9Km/h

    19,2Km/h

     

    Tagesrekord!

    Höhenrekord!

    Kilometerrekord!

     

    Das war sie, unsere gemütliche Juratour. Zum Nachfahren ausgesprochen freigegeben und empfohlen. Der Gemütlichkeit sind keine Grenzen gesetzt. Es empfiehlt sich einen kalibrierten Höhenmesser zur Leistungskontrolle mitzunehmen. Denn die eigenen Gefühle, Gedanken und Kräfte sind subjektiv und Schwankungen unterworfen! Das Schweizer Radwegenetz ist sehr gut ausgeschildert. Für Verfahrfehler wird von mir keine Gewähr übernommen. Für die Mitteilung eventueller Fehler bin ich jederzeit dankbar.

    Copyright: Wilfried Eichfelder = www.schenie.de