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Radtourenbericht vom Freitag den 03. Juli 1998 bis Dienstag den 07. Juli 1998. |
So weit die Füße treten. |
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Anfahrt
Erster Tag - Tiefencastel - Berninapass
Zweiter Tag - Berninapass - Tirano - Guspessapass - Mortirolopass
Dritter Tag - Gaviapass
Vierter Tag - Gaviapass - Bormio - Fraeli und Alpisella Pass - Livigno - Berninapass
Fünfter Tag - Berninapass - Albulapass
Schlusswort |
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Teilnehmer:
Bernhard
Gisela
Martin
Thomas
Werner
Wilfried |
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Anfahrt |
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Start- und Zielpunkt für die Tour 1998 ist Tiefencastel in der Schweiz.
197 Km von Memmingen entfernt
Anfahrt über die Autobahn MM -> LI -> Pfändertunnel (A) -> Hohenems (CH)
-> Chur -> Thusis -> Tiefencastel.
Ca. 2h 15min Fahrzeit. |
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1. Tagesetappe: Freitag der 03. Juli 1998; Start 09:30 Uhr - Ende 18:30 Uhr: |
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Wetter: zunächst leichter Regen der dann nachlässt und abends wieder heftig wird.
Unsere Leistung heute:
66Km
1675 Hm
AVS = 10,5 Km/h
Max.Spd. = 79 Km/h
Fahrzeit 6h 17min |
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Streckenbeschreibung:
Tiefencastel (CH) -> Savognin -> Bivio
-> Julierpaß (2284) -> Silvaplana -> St. Moritz -> Schlarigna -> Pontresina
-> Berninahaus (2046)
Karten Generalkarte Schweiz östl. Teil Nr. 2 + Kompass Nr. 93 |
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„Endlich geht’s los“
Thomas und Wilfried frühstücken zusammen mit Martin und fahren um 05.00 Uhr mit dem Passat Variant von Ingerkingen nach Aitrach. Denn unser Sammelpunkt ist beim Bernhard in Aitrach um 06:00 Uhr. Nachdem
Gisela leicht verzögert mit dem Werner dazustößt und dem Bernhard sein Checker Pig auf den Automatik-Golf aufgeladen ist startet die Gruppe mit den A- und CH-Pickerln an der Scheibe via Autobahn um 06:30 Uhr gen Tiefencastel in der Schweiz. (Alle Teilnehmer sind nun genannt)
Nach gut zwei Stunden sind wir am Startpunkt. Einen öffentlichen Parkplatz für die macchina finden wir beim Hallenbad. Jeder macht sich startbereit und dabei beginnt es zu regnen. Wieder mal. Das kennen wir vom Vorjahr. Also erst mal kurz unterstehen und dann doch die Regenklamotten an. Das letzte Jahr hat so manche Erfahrung bei jedem einzelnen hinterlassen. Fast jeder testet dieses Jahr mindestens ein neues wasserdichtes, windfestes, wärmespendendes und/oder atmungsaktives Bekleidungsstück.
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Um 09:30 Uhr geht es los. Bergan den Julierpaß hinauf. Dieser unterteilt sich in drei Stufen - der erste Anstieg endet bei Burvagn (1180) - hinter Tinizong (1232) ist eine zweite Steigung zu
bewältigen - dann folgt zwischen Rona (1408) und Mulegnes (1486) ein flacher Zwischenabschnitt. Bei der Auffahrt wird es jedem warm also beginnt langsames entblättern der Bekleidung. Nach vier Stunden
sind wir am Hospiz La Veduta (2233). Dieses hat am Freitag Ruhetag. Daher werden in den öffentlich zugänglichen Räumen nur die Trinkflaschen gefüllt. Auf der Julier-Paßhöhe (2284) (die zwei
römischen Säulen, in der Nähe der See, haben nicht viele gesehen) nehmen wir im Kiosk einen Café creme und/oder/bzw. Gulaschsuppe/Gerstensuppe ((2,70/5,50Sfr).). Gisela erschwingt für 9.80 Sfr. eine Panoramakarte. Hier werden jetzt alle erhältlichen Rifugio-Stempel manifestiert.
Wir fahren ab nach Silvaplana (1815), hierbei erreicht der Bernhard mit 79Km/h die nie mehr überschrittene Höchstgeschwindigkeit, weiter nach St. Moritz (1822). Dort füllt Gisela erst mal nicht
Britisch Petroleum sondern Luft in Ihre Reifen. Weiter geht’s über Schlarigna (1724) nach Pontresina (1800). Teilweise über geteerte/schottrige Radwege. Bei den Montebello-Kehren (faszinierender
Blick auf die herabziehenden Gletscher!) beginnt es wieder zu regnen. Mit Regenschutz geht’s weiter. Beim Berninahaus in Bernina Sout (2046) sammeln wir uns wieder und beschließen gemeinsam
anbetracht des Wetters und der fortgeschrittenen Zeit hier nach einer Unterkunft zu fragen.
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Für 35 sFr. erhalten wir ein Lager mit Bettwäsche und andernmorgends ein ausgedehntes Frühstücksbüfett. Unsere Drahtesel stehen trocken und abgesperrt im Skiraum. Unsere nassen Sachen sind
dank geheizter Räume anderntags schön trocken. In einer gemütlichen Gaststube nehmen wir unser Abendessen a´la Carte ein. Werner zweifelt das Calanda-Reinheitsgebot der Schweiz an und hält sich an
Erdinger Weißbier (5Sfr). Der Rest findet auch das Richtige. Viele Chruyter werden eingenommen. Werner bringt auf einmal nahe Mitternacht noch zwei Schweizer Pärchen mit an den Nebentisch. Sie wollen den Inline-Marathon bestreiten. Marlboro Lights werden von Wilfried geschnorrt. Wir gehen als letzte ins Lager.
Ob das anderntags gut gehen wird?
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2. Tagesetappe: Samstag der 04. Juli 1998 |
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Start 09:00 Uhr - Ende 18:30 Uhr
Wetter = von morgens bis abends Sonne;
Unsere Leistung:
80 Km
2005 Höhenmeter
AVS = 13,9 Km/h
Max. Spd. = 74 Km/h
Fahrzeit 5h 45min |
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Streckenbeschreibung:
Berninahaus ->-> Berninapaß (2304) -> Poschiavo (1021) -> Brusio (749) -> Campocologno (553)
-> Tirano (I, 441m) -> Cologna (609) -> Trivigno (1791) -> Albergo Paradiso
-> Pso. Guspessa (1824) -> Pso Mortirolo (1896)
Karten Generalkarte Schweiz Nr. 2 + Kompass Nr. 93 + 94 |
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„Die Sonne des Südens erwartet uns“
Vor dem Frühstück: Bernhard benötigt meine Inbusschlüssel für sein Checker Pig. Thomas machte das ständige rütteln, schütteln u. drücken des Rades beim Pausieren nervös. (-> Inspektion!)
Wieder mal sitzen wir alle als erste am Tisch. Ein tolles Frühstück erwartet uns. Für jeden ist etwas dabei. Croissants sind der Renner. Die Sonne sticht herunter, der Himmel ist blau. Schnell noch ein Startbild per Zeitauslöser und uns ziehts den Berninapaß hinauf. Oben auf dem Pass weht eine steife Prise.
Also winddichte Kleidung an, Helm auf - Passbild - und nun geht’s bis Tirano 2007m hinab. Was für eine Energieverschwendung!Abfahrt über die Abzweigung nach Livigno (2054) - Poschiavo (1014) -
Lago di Poschiavo (962) - Campocologno (520). Giselas Kraftumlenkhebel der Hydraulikbremsen reiben an den Stollen Bani und Werner unsere Technikcrew werden dies fachmännisch erledigen.
In Poschiavo ist es herrlich warm und wir legen unsere lange Bekleidung ab. Thomas erhält in einer Bäckerei seine drei Laib Schweizer Brot (->es folgt das Wochenende ohne Einkaufsmöglichkeit).
Weiter geht’s immer den Radweg parallel zur Eisenbahn nach Tirano, dort werden von jedem Bananen gebunkert. Zum Essen ist es noch zu früh aber ein Espresso/Gelati passt schon rein. Thomas ist
200% Schwabe und bestellt einen Kaffee, erhält richtigerweise einen Espresso und stellt recht erstaunt den Unterschied zu Kaffee bei uns fest. Und was legt man in Italien auf den Tisch? Gell Werner, des
handy! Aufregung gibt es noch kurz vor der Abfahrt, wo befindet sich Giselas Geldbeutel? Im Berninahaus? Beim Alimentari? Nein hier bei der Eisdiele wird er gefunden.
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Aller Puls ist wieder herunten, es geht weiter durch Tirano über die Adda. Rechts abzweigend nach Trivigno (ehemalige Kriegswege). Nun sind wir vorerst mal allein. In Cologna (609) gibt es erste
Wegeschwierigkeiten nach Trivigno, die Straße ist wegen Kanalisationsarbeiten total aufgerissen und gesperrt. Auf italienisch ruft uns eine ältere Frau die Umleitung zu: „andare adestra,
primo strada sinistra, dopo cento metro sinistra“. Wer mitgefahren ist weiß was sie sagte. Trennungsprobleme gibt es kurz darauf als Bernhard, Werner und Wilfried den sehr steilen, holprigen
Wanderweg (3:40h) nach Trivigno einschlagen. Der Rest folgt klugerweise nicht nach und zieht die Teerstrecke vor. Also rollen die Hitzköpfe zurück zu den anderen. Gnadenlos windet sich nun
Kehre für Kehre hinauf auf den Bergrücken zwischen dem oberen Veltlin und der obereren Val Camonica.
So gegen Mittag scheint eine Bergrallye unten im Tal begonnen zu haben. Ein Cinquecento nach dem anderen flitzt nicht gerade langsam an uns vorbei. An den vielen Ferienhäusern erkennen wir, dass die Italiener hier ihre Wochenenden verbringen. Aqua alla spina wird benötigt und eine Heu rechnende Frau gibt es uns gerne. Die Spitzengruppe fährt die leichtere Route mit den Gemütlichen, anstatt den kurzen, schottrigen und steilen Anstieg über Costamoscia.
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Kurz vor Trivigno (1791) angekommen geht’s links weiter Richtung Pso. Guspessa (nicht ausgeschildert!). Im Albergo Paradiso gibt’s nur noch kalte Küche, belegte Panini mit Käse, Salami, Schinken dazu Cappuccino und Cola. Wir fühlen uns alle ziemlich ausgebrannt. Dabei sind wir noch nicht am Ziel. Ca. anderthalb Stunden mit Aufstieg liegen noch vor uns, der Pso. Guspessa und der Pso. Mortirolo. Eine traumhafte Stille und göttlicher Ausblick ((Adamello, südl. Bernina)
ist später der Dank für die heute auf uns genommenen Mühen. Fast eben geht’s nun weiter. Am Lago di Guspessa (1824) mit Albergo gibt’s noch ein senkrechtes Gruppenbildchen. Es ist bereits Abend,
es wird Zeit ein Quartier für die Nacht zu finden. An der Abzweigung zum Foppa-Paß treffen wir eine nette italienische Motorradgruppe die uns mit Mortirolo-Paßschild (1896) auf Zelluloid festhält.
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Laut Kompaß-Karte sollen nun drei Albergos folgen. Das erste Albergo Mortilrolo hat eine nicht viel versprechende Speisekarte. Das zweite Albergo Belvedere sieht von hier oben moderner
und viel versprechender aus, bei der Ankunft dort stellen wir fest, es wird gerade umgebaut ((=>chiuso). Das dritte Albergo Giacomo ist ziemlich belegt. Wir bekommen aber zwei
Doppelzimmer mit WC und Dusche + jeweils ein Beistellbett für 60.000+15.000 LIT ohne Colazione. Es ist bereits 19:00 Uhr. Um 20:00 Uhr gibt’s mangiare. Hausgemachte Bandnudeln mit Kartoffeln (= pizzocherie),), Spaghetti
con Ragu, grill cottoletta arostó, insalata pomodori e cicoria ((8-12mille),), Werner erhält formaggio.Zum Dessert gibt’s cornetto, Espresso, Cappuccino u. Grappa! Bernhard erfährt dabei auf englisch von lieben Italienern, dass Cappuccino (con Latte) nichts bekömmliches nach dem Essen ist. Das wird uns eine Lehre sein. Der Wirt schaltet extra für uns das WM-Spiel BRD-Kroatien ein und wir erleben den 0:3 Rauswurf aus der WM. Macht nichts, der Merlot schmeckt inzwischen ganz gut. Gisela bekommt zwei Espressotassen als Geschenk vom Wirt. Um 24:00 Uhr teilt uns der Wirt mit, dass nun Schluss ist. Wir sind wieder mal die letzten, das kennen wir ja schon von uns.
Wenn da nicht der Gavia-Paß am Morgen wäre!
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3. Tagesetappe: Sonntag der 05. Juli 1998; |
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Start 08:25 Uhr - Ende 16:00 Uhr:
Wetter = morgens eine einzige Wolke am Himmel; beim Gavia bewölkt, windig; trocken; abends sonnig
Unsere Leistung:
47 Km
1850 Höhenmeter
AVS = 11,9 Km/h
Max. Spd. = 53 Km/h
Fahrzeit 3h 57min |
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Streckenbeschreibung:
-> Pso Mortirolo (1896) -> Monno (1066) -> Incudine (910)
-> Ponte de Legno (1257) -> Gavia-Paß (2621)
Karten Generalkarte Schweiz Nr. 2 + Kompass Nr. 71 + 72 + 94 |
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„Der Gavia“
Das karge 5000Lit Colanzione (Café, Latte, due secco panini, burro, marmelatta, fetta) wird uns allen für den Gavia nicht genug Steinkohleneinheiten (=SKE) liefern. Vor dem Albergo lassen wir uns noch rasch von einem älteren Italiener fotografieren. Der hatte wahrscheinlich noch nie so ein Gerät in der Hand. Seltsame Lichterspiele umrahmen die einzige große Wolke vor der Sonne. Wir brausen die 673m bis Monno hinunter. Dort erleichtern wir uns kleidungsmäßig. Weiter geht’s auf der viel befahrenen Autostraße bis Ponte di Legno.
Martins Pedalarme sind lose, er benötigt zum Anziehen einen 8er Inbusschlüssel, eine Tankstelle hilft uns im Ort aus. Nun suchen wir einen super mercato/alimentari für das Frühstück auf der
Bank mit Pane, chiabatta-prosciutto-salami-formaggio con Aqua Minerale. Gestärkt geht’s weiter. Statt durch die Stadt fahren wir den Wegweisern zum Gavia-Paß nach und gelangen auf die
Umgehungsstraße Richtung Tonalepaß - Martin meint hinterher, das hab ich nur wegen der 2000Hm gemacht.
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Das letzte Rifugio (Alb. Pietra Rossa) vor dem Gavia ist seit dem 01.07 bis zum 01.09.98 geschlossen. Also müssen wir nur mit unserem Trinkwasservorrat und den Bananen rauf auf den Gavia.
Kurz darauf beginnen mehrere schottrige einspurige Abschnitte. Wegen einem Motorradtreffen in Bormio dieses Wochenende fühlen wir uns alle bei der Auffahrt belästigt. Die Spitzengruppe Bernhard, Werner
u. Gisela wollen die Königsetappe mit einem Sieg abschließen. Die gemütliche Gruppe Martin, Thomas und Wilfried genießen die erreichte Höhe und machen gelegentlich eine ausgedehnte Pause.
Verkehrsmäßig wird es auch ruhiger. Nur noch einige Rennradler wollen den Gavia bezwingen. Weiter oben macht eine Wetterstörung den Ruf nach Arm- u. Beinlingen stark. Dann kommt noch ein Nervenkitzel:
der unbeleuchtete Tunnel (-> die Schotter-Straße außenherum wäre besser gewesen!). Doch der Gavia ist hier noch nicht am Ende. Endlos scheinen die Kehren kurz vor dem Scheitel zu sein. Und
steil. Aber auch die bezwingen wir mental. Bernhard, Gisela und Werner haben schon ihre erste Stärkung hinter sich als wir dazustoßen.
Draußen bläst ein starker Wind. Es wird aber wieder herrlich schön hinterher. Für 30.000 Lit per persona erhalten wir ein 6 Personen Lager mit Bettwäsche ohne Frühstück, Etagendusche, Bikes sind
abgesperrt im Notstrom-Aggregate Raum. Es wird eingenommen: Vino Rosso, Spaghetti, Penne zu hart (al dente), Beefsteak mit Bohnen und Tomatensalat, für 10.000/20.000 LIT.
Der Abend wird dann doch noch recht gemütlich im Kaminzimmer. Ein Schweizer Pärchen gibt Auskunft über die morgige schottrige Strecke mit Tunnel. Vor 24:00 Uhr gehen wir in die Falle.
Denn es folgt die Fahrt ins ungewisse!
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4. Tagesetappe: Montag der 06. Juli 1998; |
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Start 07:30 Uhr - Ende 20:00 Uhr:
Wetter = Sonne, herrliches Wetter - sehr frisch ca. 7°C
Unsere Leistung:
93 Km
2120 Hm
AVS = 14,9 Km/h
Max. Spd. =71 Km/h
Fahrzeit 6h 15min |
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Streckenbeschreibung:
-> Gavia-Paß (2621) -> S. Caterina (1736) -> Bormio (1217) -> Premadio (1255)
-> Pso. d. Torri d. Fraele (1941) -> Pso. d. Fraele (1Km vorher Abzweig!)
-> Pso. d. V. Alpiselle (2285) -> Livigno (1816) -> Forcola d. Livigno (2315) -> Palüetta (2054)
-> Bernina-Paß (CH, 2304) -> Berninahaus (2046)
Karten Generalkarte Schweiz Nr. 2 + Kompass Nr. 72 + 96 |
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„Die Kaiseretappe“
Bernhard ist als erster wach und packt seinen Rucksack. So nach und nach bringt jeder seine Morgentoilette hinter sich und packt. Gegen 07:00 Uhr versammeln wir uns in der Gaststube. Eine alte Frau
erklärt uns für stupido. Kurz wird noch ein Cappuccino eingenommen. Dann noch das obligatorische Passbild geschossen. In Folge werden wir 1435m vernichten. Eine herrliche aber frische Abfahrt. Der Gavia gehört um diese Zeit uns allein. Gisela verschreckt ein Murmeltier (oder umgekehrt?) an diesem Morgen. Ein Italiener mit macchina wartet
abwärts in einer Kehre auf Bernhard und übermittelt ihm molto complimente für diese morgendliche Leistung.
Uns friert es bei der Abfahrt an den Fingern. Nach einer Stunde sind wir in Bormio (1217). Ein Super mercato in der via roma liefert Bananen nebst Cerealien für das Frühstück auf der Bank. Danach geht es weiter. Richtung Premadio. Wilfried fährt einen Radweg am Friedhof vorbei, hoffentlich kein Umweg. Im ganzen Ort Premadio sind Markierungsarbeiten im Gange (Umleitungen)
und Einbahnstraßen -> Nachfrage bei einem Einheimischen ob wir uns noch auf richtigen Weg befinden, ein Kopfnicken bestätigt dies.
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Bei der Kirche geht’s das Werkssträßchen zum Lago Cancano hinauf. Hier hat gestern ein MTB-Rennen stattgefunden, das teilen uns die Sprayer auf der Straße mit - wie bei der Tour de France.
Werner reißt aus und trifft auf einen Hirten der Cognac, Whiskey, vino verlangt. Wir können alles nicht bieten. Doch über die gewiesene Quelle sind wir froh. Weiter geht’s zum Pso. di Torre di
Fraère. Bei einer Rast erschrickt Thomas als ihm eine Ziege beim Ausruhen von hinten stupst. Noch mal Chemie (von ALDI) ins Aqua und Kehre für Kehre geht’s sanft weiter hinauf. Werner wartet
bereits bei den Torri auf uns. Vor dem Tunneleingang schöner Ausblick auf die Gletscher des Cevedale (3769). Nach einem Fotostop geht’s eben weiter.
Martin äußert beim ersten Rifugio „was man hat, das hat man“ also kehren wir gegen 11:30 in einem gestern neu eröffneten Rifugio mit junger Gastromonie-Mannschaft ein. Diese
beginnt gerade selbst zu Essen, also haben wir Gelegenheit die Speisen visuell ohne Übersetzung zu erkennen, daraufhin erfolgt die Bestellung. Penne con funghi, tagliatelle con trotta, hausgemachte Bandnudeln mit Gemüse (alles
10.000Lit),), insalata mista, Aqua Minerale. Kann man nur empfehlen und den Gastleuten viele hungrige Mäuler wünschen. Gut ausgeruht geht’s um 13:00 Uhr weiter um die fast leeren Stauseen, Lago
Cancano und Lago di San Giacomo - das Quellgebiet der Adda (li. Nebenfluss d. Po!). Die rauhe Hochgebirgslandschaft hier oben wirkt bedrückend.
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Nun kommt die Abzweigung zum Pso. Val Alpiselle - steiler, rauher und knackiger als bis jetzt, aber es soll noch überraschender werden. Eine herrliche Alpenflora schenkt uns tolle Eindrücke. Und die Ruhe. Beim ersten See von den später noch folgenden zwei Seen, denkt Wilfried das ist die Paßhöhe und badet seine Füße im fischlosen Wasser. Martin folgt im sogleich. Gisela kann ihre Tomate nicht bis zu Ende essen,denn: denkste es steigt immer noch bergauf bis zur Paßhöhe Val Alpiselle. Dort findet eine Kuh Gefallen an Wilfrieds Lenkertasche, während uns Wanderer ablichten.
Martin und Thomas brechen runterwärts los. Sie wollen nicht immer die letzten sein. Der Weg wird schmäler und das 500m bergab. Wir spüren es alle: das wird Werners Downhill werden. Eine Holzbrücke
stellt eine wahre Schikane auf diesem reinen MTB-Trial dar. Wie bekommen wir da nur unsere breiten Lenker durch? (-> siehe Foto) . Der Pfad wird in Folge teilweise sehr abschüssig.
Wir kommen alle heil am ziemlich leeren Stausee von Livigno an. Dort laben wir uns erst mal mit Café im Plastikbecher serviert und Celati am Stiel. Nach der Pause geht’s ins zollfreie Livigno. Hier
gibt’s Panne für Thomas und MS für Wilfried. Auch Aqua wird aufgefüllt, denn wir müssen noch 500m die endlose Straße zum Forcola d. Livigno hinauf. Dieser Weg ist windig und später schattig, so
richtig deprimierend nach der langen Fahrt die wir alle hinter uns haben. Beim Alpini-Rifugio Tridentina entschließen wir uns gemeinsam, doch noch bis zum Berninahaus weiterzufahren.
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Eine Spitzengruppe fährt voraus zum Berninahaus, sie soll Lager und Essen bestellen. Wilfried benötigt nun endlich seine Briefmarken für die Postkarten, er ist bis jetzt nicht mal zum Schreiben
gekommen. Gisela holt noch den Bernina-Hospiz-Stempel. Wir sind alle froh wieder unser altes Lager im Berninahaus einnehmen zu können. Zum Essen gibt’s Raclette und Nudeln mit Steinpilzen garniert mit
Honigmelone ((20/24Sfr).). Selbstverständlich darf ein Nachtisch heute nicht fehlen. Heute sind alle hundemüde, wir sind bald im Lager.
Reicht die Kraft noch für den Albula?
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5. Tagesetappe: Dienstag der 07. Juli 1998 |
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Start 08:30 Uhr - Ende 14:30 Uhr:
Wetter = am Morgen bedeckt, gegen Mittag Regen;
Unsere Leistung:
63 Km
800 Hm
AVS = 19,8 Km/h
Max. Spd. = 69 Km/h
Fahrzeit 3h 11min |
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Streckenbeschreibung:
Berninahaus (2046) -> Pontresina -> Schlarigna -> La Punt (1687) -> Albula-Paß (2312)
-> Bergün -> Filisur -> Tiefencastel (851)
Karten Generalkarte Schweiz Nr. 2 + Kompass Nr. 93 |
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„Der Schluss“
Die ersten sind schon gegen 06:30 Uhr wach. So nach und nach trifft man sich im Aufenthaltsraum bis auch die letzten ausgeschlafen haben. Kurz vor 08:00 Uhr betreten wir gemeinsam den Frühstücksraum.
Die Gastleute haben Ihr Frühstücksbüfett nicht reduziert. Wir nehmen querbeet von allem, um uns für die Abschlußetappe zu stärken. Um 08:30 starten wir. Es geht ja bekanntlich bergab. Schöne
Ausblicke auf den Bernina-Gletscher tun uns auf.
Ab Pontresina (1805) fahren Bernhard, Werner und Wilfried den schottrigen Radweg. Gisela, Martin und Thomas wollen sausen und bevorzugen die Teerstraße. Wir sammeln uns wieder bei Samedan. Wilfried
vergisst, dass er in Klick-Pedalen steckt und fällt im Stand um. Ein Heißluft-Ballon landet gerade. Weiter geht’s leicht fallend auf dem Radweg Nr. 6 nach La Punt (1687). Treffpunkt ist die
Bäckerei dort.
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Nach Brot- und Obsteinkäufen startet unser letzter Gipfelritt auf den Albulapaß um 09:45 Uhr. In St. Moritz regnet es schon. Es beginnt mit 10 Kehren. Die Trasse führt durch schöne
Lärchenwälder. Bernhard und Werner sind gegen 11:00 Uhr im Rifugio. Wilfried (mit Badeschlappen) folgt eine viertel Stunde später. Um 11:45 Uhr sind wir komplett. Vertilgt werden Café
creme, hausgemachte Kuche, Calanda Lager, Carbonara..... . Wir dichten uns wieder gegen den Regen ab und werden am Autoparkplatz 1461m vernichtet haben. Eine windungsreiche Strecke bis zum
stimmungsvollen Lai da Palpuogna (1918). Ab Preda (1789) begleitet uns immer wieder die kühne Eisenbahnanlage der Rhätischen Bahn (Viadukte). Bei Filisur (1032) erhalten Bernhard, Werner und
Wilfried noch mal ein Abschlussschmankerl serviert. Ein waldiger Radweg, rechterhand die tosende Albula, der in einem Trial endet bis Tiefencastel. Werner hätte das freiwillig nicht gemacht. War
eine schöne Sauerei mit Überraschungen (abgerutschter Weg der weiter oben weiterging, Gott sei Dank). Unsere macchina stehen noch auf dem öffentlichen Parkplatz. Wir sammeln uns dort so nach und nach, dann stehen alle Kettenglieder still. Raus aus den Radklamotten, umziehen und gegen 15:00 Uhr geht’s Richtung Heimat. Um ca. 17:00 sind wir in MM.
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Gesamtstrecke 349 Km
Höhenmeter: 8650 Hm
Fahrzeit: 25 h 25 min
AVS: 13,7 Km/h |
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Literatur:
Denzel: Großer Alpenstraßenführer 15. Ausgabe (gibt mittlerweile schon die 19.!)
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Bycicles:
von Cannondale (Gisela), Checker Pig (Bani), Corratec (Martin), Hopp (Werner), Schauff (Thomas) und TREK (Wilfried) |
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Komponenten:
von Shimano LX - XT - XTR; Grip Shift |
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Gabeln:
von Marzzochi (Ckecker Pig), Rock Shox ((Cannondale, Corratec, TREK) |
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Bekleidung:
Arm- und Beinlinge, Regenjacke, Regenhose, Gamaschen, Kälteschutz |
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Ausfälle:Avotech-Höhenmesser von Wilfried (gab am Schluss nur noch Piepsgeräusche von sich) |
Schlusswort: |
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Das war ein Hammer:
1800-2000m täglich über vier Tage hinweg. Ohne Training geht da gar nichts. Das Wetter war für die hohen Alpenpässe das Hauptkriterium. Hier hatten wir außerordentliches
Glück. Einen Tag nach der Tour, am 08. Juli 1998 gibt es Schneefall bis 1600m herab. Unter solchen Bedingungen wäre diese Tour nicht in dieser Zeit durchführbar gewesen. Andere, ergreifendere
Eindrücke wären dafür hängengeblieben.
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Vorschau:
Der Wunsch nach den Dolomiten ist aufgekommen. Dort gibt es eine Vielfalt von Pässen zu erkunden. (Tour99: ca. 350 Km u. 8000 hm). Wir meiden die Hauptlinien, doch lässt es sich nicht
ganz vermeiden. Denn wir wollen nicht die Tour der Leiden. Die bleichen Berge warten auf uns und König Laurin. Lasst Euch überraschen. Nur sollten wir dies wegen der Touristen nicht im August tun.
Euer Wilfried
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Copyright: Wilfried Eichfelder = www.schenie.de
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