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appenzell
  • Radtourenbericht vom Samstag den 15. September 2001 bis Sonntag dem 16. September 2001.
  • Die begonnene Appenzeller Tour

  • Einleitung
  • Erster Tag - Oberstdorf - Rohrmoos - Sibratsgfäll - Schoppernau - Damüls
  • Zweiter Tag - Damüls - Furkajoch - Rankweil - Bregenz - Lindau
  • Schluss
  •  

  • Teilnehmer:
  • Bernhard,
  • Jutta,
  • Manfred,
  • Martin,
  • Thomas
  • Werner
  • Wilfried
  •  

    EINLEITUNG

    Als wir im Millenium-Jahr 2000 alle bei unserem Tourenfest bei Bani nochmals die faszinierenden Dolomitenerlebnisse Revue passieren ließen legten wir uns gemeinsam auf das neue Zielgebiet Appenzeller Land fest.

    Unsere Gisela wollte nicht mehr mit uns radeln. Angeblich weil wir uns höhenmetermässig  jährlich steigerten und die Schotterstrecken immer häufiger wurden. Doch gerade das Appenzeller Land versprach bezüglich An- und Abreise und der Höhenmeter eine Erleichterung. Die Anreise sollte mit Eisenbahn bis zum Startpunkt Oberstdorf erfolgen und dann in fünf Tagen durch das Appenzeller Land führen. Vom Zielort Lindau sollte es dann wieder per Unternehmen Zukunft nach Hause gehen.

    Die Ausarbeitung der Tour mit Höhenmeter-, Kilometerangaben und Übernachtungsorten wurde vom Martin des öfteren eingeklagt. Wahrscheinlich hatte Thomas Angst das es diesmal bei der Tour keine Berge zu erklimmen gibt.

     

    Martin und ich hielten uns an unsere wöchentliche Radtour. Meistens von mir daheim startend. Didi aus Altenstadt gesellte sich öfters zu uns. Denn er wollte dieses Jahr gemeinsam mit uns treten. Auch Bani war einige Male bei diesen Vorbereitungstouren dabei.

    Eine Vorbereitungstour ging auch zum Mondfest nach Rettenberg von der Brauerei Zötler. Bani hat zur Mitfahrt auch Jutta animiert. Sie hat diesen Eingangstest bestanden. Es gab keine Klagen. Bis auf das die Tourenausarbeitung meinerseits noch nicht fertig war. Also setzte ich mich zweimal in der Mittagspause zusammen mit Martin hin und wir arbeiteten mittels der guten Radkarte von Bani die Tour in groben Zügen aus. Da waren es noch fünf Tage. Doch im Laufe der Zeit wurde die Tour immer kürzer. Das kam mir indirekt entgegen. Denn ich hatte zwar den 1. und 2. Tag sowie den 4. und 5. Tag schön aufgeteilt. Doch genau in der Mitte da hatte ich ein Planungsloch.

     

    Die drei Tage sollten folgendermaßen aussehen.

    1. Tag: Gemeinsame Fahrt per DB von Memmingen bis Oberstdorf. Dann über Rohrmoos nach Sibratsgfäll. Dann über Schönbach nach Au. Über Damüls und Furkajoch nach Feldkirch. Unserer Jugendherberge in guter Erinnerung.

    2. Tag: Von Feldkoch über den Rhein in die schöne Schweiz. Dort ausgezeichnete Mountainbikestrecken bis nach Appenzell.

    3. Tag: Von Appenzell kleine feine Sträßchen bis an den Bodensee und über Bregenz nach Lindau. Von dort mittels Eisenbahn heimwärts.

     

    Ich fuhr diese Strecke mit meinem Motorrad ab. Und ich kam dabei zu dem Schluss. Es wird bestimmt eine landschaftlich schöne Tour. Die Höhenmeter sind bestimmt anspruchsvoll genug für eine dreitägige Radtour. Und das in einem Land in dem es keine richtigen Berge gibt wie Thomas immer in Frage stellte.

    Weil Jutta gut in unser Team passte nahmen wir sie auch auf eine Vorbereitungstour zusammen mit Martin und Bani auf der schwäbischen Alb mit. Dann fuhr ich noch mit Jutta zusammen von Immenstadt über die Gunzesrieder Säge nach Hittisau weiter über Sibratsgfäll und Rohrmoos zurück nach Immenstadt. Als Empfehlung gab ich Jutta noch auf den Weg mit dem ADFC und Gisela einige Touren durchzuführen. Damit sie auch das Bergfahren gewöhnt ist. Dabei traf sie Manfred. Uns allen bekannt aus dem Vorjahr. Ein Bergsteiger. Der passt gut zu uns.

     

    Bis jetzt war das Wetter im großen und ganzen gut. Man konnte sehr zufrieden sein. Doch das änderte sich. Und zwar auf lange Sicht. Es wurde regnerisch, kalt und windig. Es war so schön daheim in der geheizten Wohnung. Wenn man nach draußen sah verging einem das Radeln.

    Doch Martin war unverdrossen. Am Dienstag kommt der persönlich bei mir vorbei und stimmt mich um. Ja ich bin ehrlich. Auf Grund der auch zukünftigen Schlechtwetterprognose wäre ich lieber südlich der Alpen gefahren oder hätte ich diese Tour verschoben. Das könnte man tun in kleinen Gruppen. Sagen wir so zwei bis drei Radler. Ein Auto voll. Ja aber bei sechsen wird das schon schwieriger. Noch dazu auch räumlich voneinander getrennt. Einige Fremde werden jetzt lächeln. Doch ich wage es zu sagen keiner von Euch Fremden hat je so was wie wir organisiert. Wir starten also am Samstag. Ja was mal unsere Gisela war. Dieses Amt hat nun Martin übernommen.

    Martin fährt heim und kauft sogleich das schöne Wochenende bei der DB, wie vorausschauend. Freitags ruft mich Didi an. Er sagt ab. Er ist sowohl gegen Nässe und Kälte materialmässig nicht ausstaffiert. So wie wir. Ja wir haben unsere Erfahrung über die Jahre wachsen lassen. Immer wieder gab es neue Erkenntnisse. Und die Kataloge und Händler verstehen es die Produkte in geeigneter Form zu präsentieren. So mancher von uns hat schon seinen Geldbeutel erleichtert für so ein Produkt um die Kollegen dann auf der Tour zu überraschen.

     

    Aber Didis  Absage gibt auch mir zu denken. Im Endeffekt hat er Recht. Wir verheizen je Tag so um die 75 Euro (früher ca. 150,- DM). Und haben Spaß dabei. Doch diesmal? Nein ein richtig wärmendes Gefühl will nicht aufkommen. Es wird noch mal telefoniert. Martin hat ja bereits das schöne Wochenende. Die Wetteraussichten für Samstag sind einigermaßen trocken. Die Kälte wird nicht so schnell weichen. OK. Wir starten. Mit der Hoffnung dass das Wetter doch noch besser wird. Hinterher erfahre ich von Thomas, der auch skeptisch war bezüglich Urlaub nehmen, das er auch nicht starten wollte.

    ERSTER TAG

    Am Samstag den 15. September 2001 kauf ich also die Fahrkarte in Kellmünz. Abfahrt 07:01 Uhr. Martin und Thomas kommen im Eilzug danach in Memmingen an. Um 07:28 Uhr steigen wir (Bani, Jutta, Manfred und ich) in diesen Zug ein und sind gegen dreiviertelneun in Oberstdorf.

    Die Straßen sind nass. Wir fahren durch die Fußgängerzone. Dort nehme ich schon zu Beginn die falsche Richtung ein. Wir sind südwärts unterwegs. Wir müssten aber zuerst nach Norden und dann westwärts. Hier in Oberstdorf sind mehr Urlauber als Einheimische unterwegs. Doch wir finden uns alleine zurecht.

    Ja solche kleinen Überraschungen sind schon drin. Bei so einer Tour. Es ist nicht der Summit Club wo alles organisiert und mehrfach abgecheckt ist. Der Radweg nach Rohrmoos ist nun schön ausgeschildert. Nur die Ziffern sind etwas klein geraten. Wir fahren rechterseits vom Fluss sanft ansteigend hoch. Fahren dann nach Rohrmoos hinein. Was auch falsch ist. Denn der richtige Weg geht am links um den Ort weiter.

     

    Außer uns sind keine Radler unterwegs. Nur einige Wandergruppen sieht man auf der Straße. Ich habe meine Regenhose und Überschuhe nicht angezogen ich dachte es ist es nicht wert. Das werde ich nun büßen. Um 11:15 Uhr sind wir in Sibratsgfäll. Wir kehren in den Gasthof Hirschen ein. Die meisten nehmen das Menü. Statt dem Käsesüppchen gibt es eine Backerbsensuppe. Der schweinerne Braten ist gut und wird mir aber beim Start schwer im Magen liegen. Dazu noch das süffige Getränk. Noch mal entleeren und Flaschen füllen. Dabei hinterlasse ich überall meine nassen Fußspuren. Denn die Schuhe sind patschnass.

    Wir fahren wieder weiter. Diesmal ziehe ich mich komplett regenfähig an. Es geht ein kleines Teersträßchen am Krähennest vorbei. Eine Mautstrasse nach Schönenbach. Die Schweine schreien als wenn der Metzger sie gleich abholen will. Wir ziehen unsere Regensachen wieder aus. Denn es steigt nun an. Der Weg wird nun schlottrig. Voller Pfützen. Darin aufgelöst die Kuhfladen. Alles wird gleichmäßig verteilt. Auf unseren Kleidern. Auf einmal schreit Bani ich soll schneller fahren. Ein Hund ist uns auf den Fersen. Doch der Hund gehört zu dem Bulldog vor uns. Er will nichts wissen von unseren Waden. Als eine Viehherde uns entgegenkommt benutzen wir den Bulldog als Schutzschild.

     

    Wir fahren durch eine herrliche Gegend mit schönen verschindelten Bauernhäusern. Der Belag ist wieder Teer. Es geht flott bergab. Nun müssen wir noch einige Male kurze Anhöhen erklimmen. Wir sehen die Kanisfluh. Ein Edelweissberg übrigens. Dann stürzen wir wieder in die Tiefe.

    Wir fahren rechterhand der Bolgenach auf dem Radweg. Bis nach Au. Dort machen wir um 15:30 Uhr eine Kaffeepause. Denn nun geht es 1000m am Stück hinauf. Hier in diesem Land wo es keine richtigen Berge gibt. Ich habe mich anscheinend am Anfang übernommen. Mein rechtes Knie meldet sich. Mit Schmerzen. Und jetzt noch dieser Anstieg. Ich gehe viel dabei. Um mein Knie etwas zu schonen.

     

    Wir machen in Damüls noch eine kleine Rast. Die Brotzeiten aus dem Rucksack werden aufgegessen. Belegte Brote, Brotkipf mit Landjäger und Schokoladenrippchen. Es wird noch eine Stunde bis zum Furkajoch dauern. Dann geht’s nur noch bergab. Bis Feldkirch. Kurz vor dem Dunkelwerden.

    Wir fahren weiter. Und doch nicht weit. In einer Rechtskehre mache ich den Vorschlag doch hier eine Unterkunft zu suchen. Thomas meldet Bedenken an das diese großen Hotels sehr teuer aussehen. Martin sieht die Pension Lucia. Bike Willkommen steht dort einladend ein Schild an der Strasse. Wir schauen uns das an und nehmen das Halbpensions-Angebot für 32,50 Euro an. Selbst Thomas nimmt das Menü.  Es waren 70,4Km bei 12,1Km/h in 5h und 49min heute.

     

    Das Zweibett Zimmer muss noch gerichtet werden. So gehen alle in das Vierbett Zimmer. Ein Luft zum Schneiden. Hier. Nacheinander gehen wir zum Duschen. Dann fühlt man sich wieder wohl und erholt sich schnell.

    Gegen 19:30 Uhr sitzen wir in der Gaststube im Rüscherleck. Das ist kein kleiner Rausch sondern ein Gespritzter blond oder braun. Der wird zu später Stunde auch noch probiert. Das Essen ist sehr umfangreich. Erst ein Tomatensüpple. Dann ein Jägerschnitzel mit Nudeln. Wahrscheinlich wollte die Chefin dem Schattenburger Schnitzel nicht nachstehen. Ich habe einen Teil meiner Portion an Martin abgetreten. Der hat einen Riesenhunger heute. Zum Nachtisch gibt’s eine Weinschaumcreme auf dem Teller serviert wie eine Weintraube. Und nach diesem Essen müssen einige Runden Schnaps dran glauben. Diesmal sind wir nicht die letzten aber es ist schon spät als wir ins Bett gehen.

    ZWEITER TAG

    Um Acht Uhr morgens frühstücken wir. Das Frühstück ist vielfältig und jeder findet etwas passendes. Es schneit nass. Das Furkajoch ist schneebedeckt. Die Mutter der Chefin hat Angst um uns. Gibt uns den Ratschlag über Faschina ins Große Walsertal zu fahren. Dort geht es aber dann immer wieder auf und ab bis Feldkirch. Wir wollen aber doch rauf auf unser Filetstückchen. Das Furkajoch.

    Herunterfahrende Autos haben Schneeketten auf ihren Antriebsrädern! Der Wind bläst garstig ins Gesicht. Der Schnee ist etwa fünf Zentimeter hoch und matschig. Nach einer dreiviertel Stunde sind wir bei diesen miserablen Bedingungen hier auf dem Furkajoch. Nach dem Passfoto geht’s ganz vorsichtig abwärts. Die gefrorenen Schneestückchen fliegen mir hart ins Gesicht. Eine neue Erfahrung für viele dieses Wetter hier. Wohlgemerkt wir befinden uns nur auf 1780m Höhe. In den Dolomiten sind wir noch mal 500m  höher. Das bedeutet noch mal einen Temperatursturz. Ich bremse fast nur und mach kaum eine Schräglage bei der Abfahrt. Das nasse und kalte Wetter lässt mein Knie wieder schmerzen.

     

    Wir kehren um 11:00 Uhr in Bädle ins Gasthaus ein. Eine ganz alte Wirtschaft. Alles mit Holz. Der Kanonenofen im Gastraum mit dem Riesenfernseher bullert vor sich hin. Immer wieder werden einige Scheiter Holz in seinen hungrigen Rachen geschmissen. Die Scheiben überall beschlagen. Es sind unsere nassen Sachen die nun langsam trocken werden wollen. Es gibt hier Schlachtplatte. Eigentlich esse ich das gerne. Doch ich habe etwas Probleme mit meinem Darm. Also gibt’s für die meisten nur ein Speckknödelsüppchen. Etwas klein die Schale. Und wenig Flüssigkeit für diesen so saugenden Knödel. Martin nimmt eine Leberwurst mit Kraut und Bratkartoffeln. Eine gute Wahl. Der Nachbartisch bekommt Schlachtschüssel. Und Martins Leberwurst wirkt so schwindsüchtig wenn man die Blutwürste dort drüben sieht. Ja, manche Leute haben noch einen richtigen Appetit.

     

    Dann machen wir uns wieder abfahrtsbereit. In der großen Stube. Alle Leute schauen uns zu wie wir uns unsere zweiten Häute überziehen. Das beschte GoreTex. Raus in dieses Sauwetter. Der gestern hier spät angekommene Bregenzer Wälder mit der Herausforderung im Mund sagt in Rankweil sei ein Bahnhof. Denn wir haben entschieden nicht bis Lindau zu radeln sondern ab Rankweil die Eisenbahn zu nutzen.

    Wir holen uns eine Gruppenkarte mit Rad bis Lindau. In ein paar Minuten steigen wir in den Zug bis Bregenz. Wieder laufen die ganzen Scheiben im Waggon an. Eine dreiviertel Stunde lang betrachten wir dieses eigenartige Wetter da draußen. Ab und zu Sonnenschein. Dann wieder grimmige dunkle Wolken mit heftigen Schüttern. Wir sind geschützt. Hier im Zug.

     

    In Bregenz kehren wir noch mal auf ein gemeinsames Abschiedsgetränk im neuen Bahnhofsrestaurant ein. Dann geht’s auf den Bahnsteig der Anschlusszug nach Lindau hat ein paar Minuten Verspätung. Ein paar mutige Radler kämpfen sich durch den Regen bis nach Lindau. Ich winke ihnen zu und bemitleide sie.

    SCHLUSS

    Martin und Thomas nehmen das Bähnle bis Biberach. Um 16:01 steigen wir restlichen vier in den Zug nach Memmingen ohne Zugbegleitung. Der Schaffner forderte uns auf zum Einsteigen und das Wochenende nachzubuchen. Die Scheiben laufen immer noch an. Um 17:24 Uhr sind wir in Memmingen. Geschafft. Nächstes Jahr geht’s wieder nach Südtirol. Heute waren es 28,8Km bei 18,8Km/h in 1h und 32min.

  • Da wir auf dem Furkajoch vom Schnee überrascht wurden haben wir die Tour abgekürzt.
  • Leider konnten wir das wunderschöne Appenzeller Land (Heidiland) nicht befahren.
  • Das Wetter blieb zwei Wochen lang schlecht.
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