Die Millenium Mördertour
Stand: 27.02.2007-21:20
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Start / Ziel: St. Christina im Grödnertal (Italien-Südtirol)
Daten: 5 Tage / 295 Km / 8590 Hm
Sonstiges: Wir hatten keinen einzigen Tag Regen auf dieser Tour. Das Filetstück dieser Tour war der Pso. Lusia und für Feinschmecker der Trial nach
Wolkenstein hinab. Alles andere ist asphaltiert.
Landkarten: Kompass Wander- und Bikekarten Nr. 59 Sellagruppe / 76 Pale di San Martino / 77 Alpi Bellunesi
7 Teilnehmer (Bike): Bernhard (Checker Pig) , Gisela (Scott),
Manfred (Cube), Martin (Corratec), Thomas (Schauff), Werner (Hopp), Wilfried (TREK). Manfred ist mit Bike neu dabei. Stefan ist ausgestiegen.
Zeit: Vom 08. September bis 12. September 2000
Übernachtung: Garni Ramona Fedeiapass, Albergo La Bicolla Panneveggio, Pension Edera, Hotel Cesa Padon Buchenstein.
Pässe : Pso. Sella von Plan de Gralba hinauf, Pso. Sella Bilder, Pso. Sella bis zur Abfahrt Pordoipass hinab, Pso. Pordoi ab der Abzweig Pso. Sella hinauf, Pso. Pordoi Bilder, Pso. Pordoi bis Arabba hinab, Pso. Fedeia ab Caprile hinauf, Pso. Fedeia Bilder, Pso. Fedeia bis Canazei hinab, Pso. Lusia, Pso. Rolle ab Panneveggio hinauf, Pso. Rolle-Bilder, Pso. Rolle bis Fiera hinab, Pso. Cereda, Pso. Gosaldo, Pso. Duran ab Agordo hinauf, Pso. Duran Bilder, Pso. Duran bis Dont hinab, Pso. Staulanza ab Dont hinauf, Pso. Staulanza Bilder, Pso. Staulanza bis Caprile Hinab, Pso. Campolongo ab Buchenstein hinauf, Pso. Campolongo Bilder, Pso. Campolongo bis Corvara hinab, Pso. Gardena ab Corvara hinauf, Pso. Gardena Bilder, Pso. Gardena bis St. Christina hinab
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Bilder: siehe unten |
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Einleitung
Erster Tag - St. Christina - Sellaoch - Pordoijoch - Arabba - Valazza - Passo Fedeia
Zweiter Tag - Passo Fedeia - Canazei - Fassatal - Passo Lusia - Panneveggio
Dritter Tag - Panneveggio - Passo Costazza -Passo Cereda - Passo Gosaldo - Agordo
Vierter Tag - Agordo - Duranpass - Foppa - Passo Staulanza - Buchenstein
Fünfter Tag - Buchenstein - Campolongo Pass - Grödner Joch - St. Christina
Schluss |
Einleitung: |
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oder: Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.
Wer ist der Mörder? Hoffentlich
nicht ich. Eigentlich wollte ich diese schöne Dolomitentour „Otto die Erste“ nennen. Denn ich denke, es wird für manchen unter uns nicht die letzte Tour hier in diesem Eldorado der Berge und
dadurch schöner Pässe sein. Dieser Bericht stellt ausschließlich meine Gedanken dar. Sollte es zufälligerweise gedankliche Überschneidungen ergeben, so ist das zwar nicht unerwünscht, aber eine
Bestärkung für mich. Dem einen oder anderen sollte es aber zum Nachdenken anregen.
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Vorbereitungstouren:
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oder: Auch der erste Schritt gehört dem Weg.
Das Unterallgäu ist für uns ein
ideales Trainingsgebiet nach der Arbeit, ohne große Anfahrten. Alles vom Firmenparkplatz aus. Martin ist mein Weggefährte dabei. Am 1. Mai geht’s nach Elchenreute hinter Bad Waldsee. Quer durch
Oberschwaben und dank Handy ist ein Zusammenstoß dieses mal erwünscht. Bani und Werner sind hier dabei. Zur Gfällmühle fahren wir zu dritt, Bani schließt sich uns beiden an, und dann hat die
Gaststätte Ruhetag. Wir finden dann noch später eine Wirtschaft mit Gyros. Auch gut. Wieder mal muss unter anderem die Schwäbische Alb herhalten. Irgendwie liebe ich diese leider bzw.
glücklicherweise von den Wanderern vernachlässigte Gegend. Einmal waren Gisela und Manfred dabei. Die Alb ist schotterig, pfadreich, schattig, mückenvoll, einsam, preiswert und schnell erreichbar für
uns.
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1. Tag Freitag den 08. September 2000 = 62Km - 1925hm
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oder: Der beste Weg zum Ziel verläuft selten gerade.
Es ist dunkel. Meine Stirnlampe
leistet gute Dienste beim Räder aufladen. Dabei stelle ich fest, dass die Batterie konditionsschwach werden könnte. Gisela holt eine frische zur Reserve aus ihrer Wohnung. Die Frage:
„Hüttenschlafsack ja oder nein?“ stellt sich so kurz vor dem Start ganz aufgeregt. Dabei habe ich doch bei den Tourenbesprechungen meine Wünsche geäußert. Wenn’s geht, Alpenvereinshütten als
Übernachtungsstätte zu wählen. Da gibt’s in der Regel keine Duschen, wenige Doppelzimmer. Und was man spart kann man des abends in Flüssigkeiten stecken. Gisela, Manfred und ich erscheinen am
Allgäuer Tor, 5 Minuten später als ausgemacht. Sogleich erhalten wir unsere Schelte. Fängt ja gut an.
Martin will wieder mal in einem
Rutsch runter fahren. In nerven immer die stundenlangen Autofahrten. Ich entscheide als vorausfahrender trotzdem die Raststätte in Nassereith aufzusuchen, der Kaffee wird im WC entsorgt. Alle
Passat-Türen öffnen sich nicht. Es ist verkehrsarm um diese Zeit. Zügig kommen wir voran. Kurz nach dem Brenner melde ich unsere Truppe bei Otto an.
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Wir gehen bei Klausen von der
Autostrada runter. Nun geht’s ständig leicht ((=>gasfüßig) bergauf Mein Herz erhöht den Schlag. Was für eine faszinierende Gegend hier. Und das Wetter soll für unsere Tour „opti“ sein. Ich
freue mich darauf. Ankunft in St. Christina (1427m) bei Otto um 10:30 Uhr: „So wurden wir noch nie empfangen!“. Ein Tischchen mit weißer Tischdecke: Gläser, Wasser, Wein, belegte Häppchen und
Linzer Torte. Wir werden herzlich empfangen. Ich ersetze meinen zu Bruch gegangenen klick-fix-Satteltaschenhalter. Nein für die harten Touren sind die doch nicht geeignet! Er wurde ein Opfer der
Seiser-Alm und musste deshalb hier beim zurückgelassenen Bike ausgetauscht werden.
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So gegen 11:05 Uhr kommen wir weg.
Natürlich die obligatorischen Bilder vor dem großen Start. Mit allen Sonnenlichtverhältnissen. Die Einfahrkilometer habe ich bei meinem erst vor zwei Tagen beendeten Urlaub bis zum Einstieg in
Wolkenstein erkundet. Statt auf der viel befahrenen Autostrecke fahren wir einsame Teerstrecken. Aber es steigt von Ottos Haustür weg schon gnadenlos. Schön langsam angehen das ganze. Wir sind ja noch
eine Weile hier. Mittagessen wollen wir auf dem Sellajoch. Gisela hat sogar einen Rehbock bei der Auffahrt zum Sellajoch fotografiert. Den müssen wir glatt übersehen haben.
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Ankunft 13:25 Uhr - 14KM - 865hm –
Sellajoch-Passhöhe 2244m. Im Self-Service-Lokal setzen wir uns außen auf die Bierbank-Garnituren. Sonnencreme wird kameradschaftlich geteilt. Wie das Wetter ist brauch ich deswegen nicht zu erwähnen.
Aussicht genial. Der Gletscher der Marmolada lacht uns an. Die Pasta mit Rotwein ist fein. Martin nimmt noch sein „Süß Stückle.“ 14:20 Uhr: Nun stürzen wir uns hinab. Aber Vorsicht! Nicht ganz
bis Canazei. Wir zweigen vorher links ab. Hoch zum Pordoijoch. Denn: ganz ohne Schweiß kein Preis.
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Ankunft 16:00 Uhr - 26,2KM -
62,9Km/h - 1300hm – Podoijoch-Passhöhe 2239m. Ein Pärchen mit Reiserädern strampelt tüchtig und gut. Immer wieder überholen wir uns gegenseitig. Der Passo-Stempel muss im Kiosk auf die Reliefkarte
von Gisela muss drauf. Martin richtet mich währenddessen, denn ich hab durch die falschliegenden Helmgurte ausgesehen wie ein Sträfling. Die Abfahrt vom Pordoijoch ist ein Traum. Herrlicher Blick
auf die Toscana. Gisela füllt in Arabba (1602m) ihren Geldbeutel mit frischen italienischen Geldscheinen aus dem Bancomat.
Martins Trinkflaschen schreiben
Geschichte. Total verkratzt und verbeult stecken sie im Halter. Jede Tour hinterließ ein Zeichen. Wie bei uns. Manfreds Trinkflasche dagegen ist ganz neu, noch. Genau so wie er in unserem
zusammen-gewachsenen Haufen. Aber Manfred passt ausgezeichnet zu uns. Er ist bergerfahren. Kann seine Kräfte einteilen. Manfreds Ski-LL-Bekleidung erweist sich als bikegebrauchbar. Er steht zu seiner
Erfahrung. Tests interessieren ihn weniger. Der beste Test bist du selbst!
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Der Tag der Pannen: In Vallazza habe
ich mich verfahren. Nun folgen erstmal 16%ige Teerstraße und 24%iger Schotter. Die Folge ist ein rassiger Trial bergab mit 24%. Was des einen Freud ist für den anderen Horror. Oder warum ein Rucksack
der bessere Wegbegleiter ist. Giselas Arme und Beine zittern.
Der Schalt-Seilzug von Bani ist
gerissen - und wurde auf dem Teersträchen, das wir in Vallazza hätten finden müssen erneuert. An die Grenzen gehen: Es wird laut ausgesprochen wie man sich fühlt, was man sieht ... . Es wird
beruhigt. Es wird nachgegeben. Es wird stellenweise ganz ruhig. Die Gespräche finden nur noch in kleinen Gruppen statt. Man spürt Zusammenhalt. Wir sind zu lange zusammen. Jeder kennt des anderen
Fehler. Und doch: Gerade das ist unser Erfolg.
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Nun geht’s aber sanft runter. Da
kommt noch ein Plattfuß von Thomas. Das bei einem nigelnagelneuen Bike? Deswegen. Folgt noch ein Chainsuck bei Werner. 18:00 Uhr mittlerweile. Wir rollen durch Rocca Pietore. Wir suchen eine Unterkunft
für heute Nacht. Schwierig. An einem Info-Board um 19:00 Uhr reservieren Manfred und Gisela telefonisch drei Zimmer. Es ist ganz am Ende des Dorfes und liegt auf der rechten Seite. Ca. 30 Minuten soll
das bis dahin noch dauern, nach Auskunft der Wirtin. Die ist es aber noch nie mit dem Rad gefahren.
Während der Anfahrt kommen wir an
einigen Pizzerien mit Übernachtungsmöglichkeit vorbei. Nun aber haben wir schon reserviert. Bani und ich sind rechts ab die idyllische Schlucht aufgestiegen, was eine echte Abkürzung zur Galerie war,
wie sich oben bei der Malga Ciapela herausstellte. Martin und Thomas wollten keine Experimente mehr eingehen und darum liefen sie die Autostraße hoch. Handyanrufe von Martin wurden überhört und auch
missachtet. Im Ausland funktioniert zudem die Rufnummernanzeige nicht. Dann in der Galeria gab´s kein Netz mehr. Es wurde immer dunkler. Ging immer höher. Und die Welt schien am Ende zu sein.
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Um 19:50 sind wir nach nochmaligen
anstrengenden 350m mit 18% Steigung bei der Garni Ramona. Selbst Gisela steigt dabei ab. Wenn wir das geahnt hätten, dann... ? Hätten wir nur... Hinterher ist man immer klüger. Was man hat das hat
man. Die Gastleute empfehlen uns vor dem Duschen essen zu gehen. Wir machen uns Sorgen um unsere Nachhut. Gisela erklärt sich bereit und wartet auf die beiden bei der Straße. Damit die nicht
vorbeifahren. Ausgepumpt und ausgepowert kommen Thomas und Martin dann doch noch an. Beide Duschen aber erst mal. Stoßen dann zu uns. Tolle Laune liegt in der Luft. Vino Rosso flaschenweise, Aqua
Minerale Naturale oder Frizzante, die einen wollen rülpsen, die anderen bekommen Darmprobleme. 19000 Lit Wein 0,75l, 24000 Lit 3 Gänge Menü, Bani schmeckt es nicht, Grappa für alle. Wir werden vom
Ober und der Bedienung nach dem Beginn des Oktoberfestes gefragt. Und Gisela will keinen Finger mehr krumm machen diese nacht. Rüber in unsere Pension. Noch mal Wein und Grappa. Schlafen. Tief und fest.
Heute waren es: 62 Tageskilometer - 1925Hm - 62,9Kmmax - Æ 14,1Km/h - Fahrtzeiten 3:55 ... 5:00h
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2. Tag Samstag den 09. September 2000 = 56Km - 1600hm
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oder: Nur wenn man das Unerreichbare anstrebt, gelingt das Erreichbare.
Räder aus der Garage holen. Der
Chef des Hauses hat seine Holzbeuge hinterm Haus optimal geschlichtet. Wir starten um 09:00 Uhr bei 5°C auf einer Höhe von 1505m. Satte 16% bringen unsere Körper schnell in die Betriebstemperatur.
Ankunft 10:30 Uhr - 540Hm - 4,7Km -
0:51h - Passo di Fedeia 2047m. Am Fuße der Marmolada gönnen wir uns einen Cappuccino. Der Stausee wird linksseitig umfahren. Wir fahren über die gewaltige Staumauer. Ziehen unsere Armlinge,
Beinlinge, Fleeces und was auch immer an. Dann brechen wir runter. Unten wo es wärmer wird entkleiden wir uns wieder. Thomas kauft in Canazei rechterhand im Bikeladen einen Ersatzschlauch. Gisela und
Manfred kaufen sich ein Stückchen entfernt ein Eis. Das kostet uns wieder fünf Minuten!
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Also muss ich Zeit gut machen auf
der leichten Abfahrt (200m) über Mazzin (1379m) und durch Pozza di Fassa (1290m) bis Moena (1184m). Nach 02:10h Fahrtzeit - 38Km - 700Hm sind wir da. Eine Pizza im Freien wird gewünscht, mit Garten, in
der Sonne. „Wir fahren ja den ganzen Tag im Schatten“. Wir müssen dann aber glücklicherweise doch reingehen. Die Pizzen sind spitze. Martins Bauch passt nun wieder ins Trikot das beinahe
zusammengefallen wäre. Bani gibt Labello-Tipps für böse und brave Mädchen kund. Selber erzähle ich das Maleur mit dem Schuhputztuch in der Duschkabine. Mein Asthmaspray ist ein guter Dope für die
folgenden Steigungen. Abfahrt um 14:45 Uhr. Eine nette Begebenheit ergibt sich im Dorf. Wir fragen nach dem weiteren Wegverlauf. Dabei entpuppt sich der Hilfestellende als der Fotograf für das Fedeia
See Foto. Wir müssen uns Richtung San Pellegrinopass halten und bald darauf rechts abbiegen.
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Vor uns liegt der knackige Passo
Lusia (2055m). Heftige 900Hm sind zu meistern. Eine schotterige Variante unserer Tour. Auf dem Forstweg treffe ich eine Bauernfamilie mit Stihlsäge. „Dura - hart? fragend schauen sie mir
zu.“ Der Schweiß rennt mir in großen Tropfen herunter. Schon bei der Zwischenstation Rif. Rezila erhalten wir kein Quartier, und ganz oben im Rifugio Passo Lusia sind nur vier Betten insgesamt zu
belegen. Das reicht beim besten Willen nicht. Die Wirtin macht für uns die telefonische Reservierung im Hause La Bicolla in Panneveggio. Es geht nun durch eine Traumlandschaft. Vor uns liegt die
wildromantische Palagruppe. Zirben, Lärchen, warme Herbstfarben, Pferde, Natur Pur! Der mühsame Aufstieg wird dementsprechend belohnt.
Unsere Bikes verstauen wir in der
Garage gegenüber und Laura die Bedienung zeigt uns darauf unsere Räumlichkeiten. Dass Haus ist frisch renoviert. Wir duschen und ziehen unsere feinen Sachen an. Dann gehen wir ins Lokal. Mich macht als
erstes ein großes Bier an. Egal was es kostet. Durst. Dann gehen wir alle auf Aqua und Vino über. Die Küche ist heute Abend geschlossen. Es gibt nur Kleinigkeiten. Wir hatten ja alle schon eine Pizza
und deshalb reicht uns die großzügige „platti freddo“ (Salami, prosciutto, formaggio). Nur Gisela tanzt aus der Reihe. Sie sieht bei der Gaststättenfamilie einen herrlichen Toastteller und erhält
natürlich dann den zu kleinen Toast aus der Karte. Was will man auch für dreitausend Lire mehr erwarten?
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3. Tag Sonntag den 10. September 2000 = 73Km - 1615hm
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oder: Wer das Ziel kennt, wird es treffen.
Wieder ein traumhafter Morgen.
Endlich kommen wir heute zur Baita Segantini, dort wollte ich schon letztes Jahr hin. Wir fahren leicht steigend linksabzweigend zum Valles-Paß hoch. Rechts geht’s zum Rollepaß. Rechts von uns
fließt der kristallklare Gebirgsbach Travignolo. Kurz darauf geht’s rechts rein. An dem riesigen Parkplatz erleichtern wir uns. Auf dem Weg bis zur Malta Venegiotta überholen wir viele Wanderer. Der
Kamin raucht. Nun folgt kerniger Schotter. Kehre um Kehre schrauben wir uns hoch. Ein italienischer Biker überholt mich. Wir tauschen folgende Wörter aus: „Er: dura = hart, Ich: stanco =
müde, Er: Ich auch.“ Wir lachen beide und wünschen uns einen schönen Tag. Nur nicht alles so verbissen sehen. Immer locker bleiben.
Bei der Baita Segantini auf dem
Passo Costazza sitzen wir alle an der Biergarnitur im Freien. Die Kühe haben den herrlichen See in eine braune Brühe zertrampelt. Oben im Restaurant gibt’s keine Pasta. Nur diese Polenta. Ein
Art Maisbrei. Mit Würstel und Kraut, Mit Pilzen. Mit Gulasch. Mir schmeckt´s eigentlich ganz gut. Und nahrhaft ist es auch. Wir fetzen den Schotterweg hinunter. Zügig beim Rolle Pass angelangt. Die
Musik kommt aus Lautsprecher die nicht auszumachen sind. Ich überhole bergab mit meinem Rad einen für mich zu langsamen Motorradfahrer.
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Dann fahren wir rechts an der Pala
vorbei. Durch San Martino (1467m) in Tonadico (722m) geht’s erst mal links hoch. Der Verkehr wird weniger. Die Gabel von Thomas wippt beim Bergauffahren immerzu. Das macht mich ganz schwindelig. Bani
erklärt Thomas die Bremseneinstellung L/H beim neuen Bike. Nur Werner fährt immer noch ohne Federgabel, und ohne Helm! Den Passo di Cereda (1369m) geht’s leicht hoch. 1 Liter Wein in der
Nachmittagssonne. Ferrari-Fahnen wehen im Wind. Und Manfreds Augen sind entzündet. Pflege ist angesagt. Sanft runter bis Gosaldo (1141m). Noch mal ein kurzes aber saftiges 15%-Stückchen rauf zur
Forcella Aurine (1299m). Wieder mal sind wir gut angelangt.
Nun ist es soweit Gisela: Danke für
die vielen schönen Fotos. Danke für das tägliche Notieren der Leistungsdaten. Keiner will Dir diese undankbaren Jobs abnehmen. Zu wenig wird Deine Dienstleistung beachtet. Es wird dafür mit
Uninteresse an der Natur und stoischem Tretlagerblick ausgeglichen
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Es wird mal wieder Abend. Wir suchen
ein Quartier. Ich frage einen Carabinieri und sage dabei “pocco soli = wenig Geld“, er lacht dabei über das ganze Gesicht. Eine preiswerte Unterkunft bekommen wir im Casa Edera. Die Zimmer
sind o.K. Duschen, umziehen, Hunger. Ein Italiener, den wir in seiner Garage ausfindig machen konnten führt uns hin bis zur Pizzeria Silvio. Man hätte ihn dafür eigentlich zu einem Glaserl einladen
sollen. Das Lokal läuft ausgezeichnet. Alle Plätze sind besetzt. Weil es noch warm ist setzen wir uns nach draußen. Die Pizzen und anderen Gerichte (Pasta, Salate, Tiramisu) sind hervorragend.
Später dann gehen wir rein. Thea
wird meine Numero UNO als ich ein Glas bei ihr holen will. Ich sage zu ihr: „Bichero“ und sie reicht mir eins, danach nur noch Lachen im ganzen Saale. Niklas spendiert uns einen Krug Vino und gibt
ein Solo als Sänger der Gemütlichkeit. Ja ja er träumt vom bald beginnenden Oktoberfest. Beim Gehen werden uns viagraähnliche Fishermens angeboten was wieder zur Freude des restlichen Saales
beiträgt. Wir gehen die dunkle Gasse hinauf. Einsame Hunde heulen uns an. Im Nebenraum vom Haus Edera nehmen wir noch eine Flasche Wein und Aqua.
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4. Tag Montag den 11. September 2000 = 62Km - 2300hm
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oder: Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen.
Wenn man als Pärchen in so einem
Männerhaufen mit strampelt muss man sich auch einiges anhören. Das geht oft schon beim Frühstück mit Zwieback und rohem Schinken los. Denn da ist schon das Gespräch von der wirksamen
Penisilinspritze. Wenn man des nächtens bald und anscheinend erschöpft ins Bette eilt. Morgens dann aber als letztes erscheint. Manfred wurde ein Pickel ausgedrückt und mit Sixtus-Arschsalbe sich
gegenseitig der Popo eingerieben.
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Die Wirtin ist froh keine Rechnung
ausstellen zu müssen. Sie spart sich so die Anmeldung. Dann werden am Morgen erst mal Einkäufe getätigt: Bananen, Brot. Mein Helm fliegt immer wieder aus dem Rucksackhalter, er ist einfach äußerlich
zu voll beladen.
Nun geht’s beständig rauf zum
schönen Duran Pass (1605m) - wir sehen nun linksseitig die Civetta .. Erdnüsse und Puffreis werden auf der Bank verspeist. Ich gebe Kettenfett auf dem Piknikplatz vor dem Duranpaß auf Martins Kette.
Endspurt. Zwischen 11:30 und 11:40 Uhr sind wir oben. Auf diesem schönen Paß. 1000Hm, 14,6Km und ca 10% Steigung stecken in unseren Beinen. Nun lassen wir uns nach unten rollen. Schöne kleine
Sträßchen. Satte 15% steil, oh wie galli. Dank Teermaschine spritzt der Asphalt meine Waden voll. Manfred meint: „Der Teer muss billig sein in Italien, so dick wie der aufgetragen wird.“ Herrlich
alte Bauernhäuser mit farbigem Blumenschmuck wie Schwalbennester am Hang. Nur. Wer sieht das überhaupt?
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Um 12:15 Uhr sind wir in Foppa
(1177m). Ein italienischer Eisdiehlenbesitzer in Straubing gibt mir bei der Post die Empfehlung die Arbeitergaststätte aufzusuchen. Gisela macht wieder mal eine Umbestellung von scharfen Makkaroni auf
Spaghetti. Das sind wir ja gewohnt. Es gibt weiterhin Schnitzel Natur. Roast Beef. Für Werner eine Käseplatte. Mein angemachter Salat ist zu sauer. Wieder mal folgt Wortgeplenkel. Werner
verwendet mehr Olivenöl. Das ist schmackhafter so. Ruhe. Einen Coretto genießen wir noch in dieser typisch italienischen Gastwirtschaft.
Um 13:35 Uhr bei 31°C geht’s
weiter. Angenehme 10% und 25Km geht’s rauf. Der Forcella Staulanza Pass (1773m). Alles in der Sonne. Die Leute von den Bauernhäusern winken uns zu. Vor uns bzw. rechts von uns nun der Monte Pelmo.
Dann sind wir um 16:30 Uhr oben auf dem Passo Staulanza 1773m. Manfred bestellt Cappuccino für alle. Gisela will keinen. Tritt in an Thomas ab. Es stellt sich heraus, der Capu ist mit viel Milch, dann
will sie ihn doch. Schwierig schwieriger, Cappuccino. Der Wind knallt die Gartentüre unsanft zu. Da stört die Gäste vom Nebentisch.
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Dann lassen wir uns 500m nach unten
fallen. Jeder in seinem Tempo. Noch mal einige hundert Meter rauf bis Selva di Cadore (1317m). So warm der Tag bis jetzt war, nun wird es kühl. Also anziehen Gore, Löffler, Odlo..... isch des
beschte! Wir fahren um den Colle Santa Lucia. Kommen durch Andraz (1421m). Gisela beklagt sich immer wieder über Wadenprobleme. Nun geht es immer wieder auf und ab, auf und ab, auf und ab... Die
Sonne ist am untergehen. Wir alle sind müde und von der Tour gezeichnet. Einsam ist diese Strecke hier.
Nun kommen wir an die Gabelung.
Manfred ist hier sehr besorgt um Gisela, er sagt: „Gisela kippt gleich um, ihr ist bereits schlecht“; Ich sage: „Du kennst Gisela noch lange nicht. Rechts zum Passo di Falzarego rauf. Risiko, ob
das einzige Rifugio geöffnet hat. Also leicht abwärts Richtung Arabba. Aber es hört nicht auf mit ständigen Auf und Ab... . Erschöpfung macht sich breit. Kampf. Es kommt einfach keine Lokalität.
Und wenn eine kommt ist diese geschlossen. Nun kommen wir nach Pieve di Livinalongo. Wir nehmen das einzige Hotel im Ort. Und: das Lokal ist Spitze. Es gibt allerdings nur Halbpension. Wir werden im
Nebenhaus untergebracht. Die Stahlrösser stehen geschützt unter uns in der Garage. Mit unserer Sportbekleidung heben wir uns von den reiferen und gut gekleideten Gästen so im Pulk sitzend ab. Uns
schmeckt das vorzügliche Essen. Der Wein rinnt wie Samt meine Kehle runter. Schön wenn nach der heißen Dusche die Anstrengungen vergessen sind.
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5. Tag Dienstag den 12. September 2000 = 42Km - 1150hm |
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oder: Alles war schwierig, bevor es leicht wird.
Rehe beim Aufstehen. Es war eine
Vollmondnacht - Gisela hatte eine unruhige Nacht - sie hätte jetzt doch das Zimmer am liebsten getauscht. Ja immer wieder gibt es was man hätte besser machen können. Wenn’s nur ein kleiner Vorteil
ist. Aber hat dann nicht ein anderer den Nachteil? Das Frühstücksbüffet ist wieder mal einmalig. Uns fehlt nichts. Da machen sich die geringfügigen höheren Kosten wieder bemerkbar. Der Chef sagt:
“Am einfachsten teilt ihr die große Rechnung durch sieben, das ist am einfachsten.“ Warum eigentlich nicht? Der Wiener MTB-Fahrer verabschiedet uns. Und beladet ebenso sein Bike.
In Arabba angelangt müssen wir
rechts den sanften Campolgno-Paß (1875m) rauf. Erste Fotos bei der Region Campologno trennen die Gruppe. Noch ein Stück weiter bitte. Dort erst ist das Passbild. Dann gleichmäßig runter bis Corvara
(1511m). Links ab hier. Unser letzter Pass. Auf dem Grödner Joch Aufstieg auf einer Bank äußert sich Martin: „Warum tue ich mir so was an?“ Er ist etwas schlecht drauf heut. Ein Virus hat ihn
erwischt.
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Oben angelangt. Haben da welche doch
glatt das Passschild abgeschraubt. Fotoblick auf den Langkofel. Klick. Ab jetzt geht’s erst mal abwärts. Halt. Da sehe ich eine neue Variante. Eine Pfadspur bis Wolkenstein. I must! Bani, Werner wo
seid ihr? Let´s go! Kurz drauf. Shit ich hab einen Chainsuck. Danach schwarze Hände. Und: Zwei Wanderer erschrecken beim rasanten Vorbeireiten der metallenen Rösser von Bani und Werner. Bei mir halten
sie freiwillig Seitenabstand, aber die beiden toben innerlich.
Dann kommen wir kurz darauf noch an
eine Sackgasse. Vorhermehr als 32% rauf, puh. Also wieder zurück. Nun wird’s aber noch wilder. Felsen kommen durch die Grasdecke. Steil ist es. Tendenz steigender. Nur nicht leichtsinnig werden.
Werners Hinterrad schaukelt sich von Felsstufe zu Felsstufe immer höher. Bis zum Überschlag. Da ist es schon passiert. Wieder mal ohne Helm. Gott sei Dank nur den Oberschenkel etwas verschürft. Nach
dem Aufstehen lassen wir ihm alle Glieder (fast) wieder bewegen. Alles palätti. Gleich darauf sind wir in Selva Wolkenstein. Martin und Thomas treffen wir bei der Straße. Manfred und Gisela warten in
der Kurve vom Hotel Dosses in Christina
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Nun rollen wir zügig abwärts bis
zur Pizzeria IMAN - dort gibt’s für die ausgehungerten Mägen: Leberknödelsuppe, Pizzen 007+ Chef. Ich brauch jetzt einen Aperitif. Und spüre ähnliches wie bei den Schlutzkrapfen in der
Pederühütte dabei. Martins Carbonara kommen frisch zubereitet aber sehr spät. Ich schreibe einige Postkarten. Gisela rechnet eine halbe Stunde die geteilte Rechnung quer und längs um nicht
draufzuzahlen. 2Mille da, 8Mille dort. Soll man alles so verkniffen sehen? Der eine steht auf Grappa, der andere mag lieber Coke, mancher steht auf süßes. Weil´s langweilig wird. Wieder mal das
übliche Gruppengeplänkel: Ist die Pizza aus dem Holzofen? Kein Sonnenplatz außen, dafür Zug.
Hoch zum Otto. Räder aufs Autodach.
Besser riechende Klamotten anziehen. Gut duftenden Kaffee und frischen Zwetschgendatschi von Ingrid dazu. Alles zusammen mit Heidi und Erich. Den von Otto in Kollmann besorgten Speck verteilen. Es kommt
die etwas zwiespältige Zeit des Abschied nehmen. Einerseits würde man gerne verweilen. Doch nach fünf so anstrengenden Tagen will jeder von uns gerne heim. Martin wieder mal besonders gerne.
Wir wählen diesmal noch die
Brenner- Mautstrecken-Autobahn in Österreich dazu. Eine gute Wahl. Noch mal den Kaffee raustragen. Von da an trennen unsere zwei Autos die Wege. In Memmingen gut und zügig angelangt. Ausladen der
Ausrüstung, abladen der Bikes. Endlich daheim. Ich freue mich auf eine entspannende Badewanne.
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SCHLUSS: = 295Km - 8590hm
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oder: Die Tat unterscheidet das Ziel vom Traum.
Wir hatten bei dieser Mördertour
ein wirklich optimales Wetter. So etwas hatten wir in unseren letzten fünf Jahren Alpen nicht erlebt. Meine guten Ausrüstungsratschläge werden wieder mal belustigend in den Wind geschrieben.
Aber auch ich hab meine neue GORETEX-Ausrüstung nur beim Bergabfahren einsetzen können. Besser so. Glaubt es mir.
Und: Die Berge kann und will
ich euch nicht aus dem Weg räumen. Jeder weiß mittlerweile was einen erwartet. Geschenkt bekommt man nichts in den Bergen, nicht einmal die schönen Erlebnisse. Was bleibt ist der Kampf, die
Auseinandersetzung mit Elementen. Wir sind doch Mensch. Und dadurch Natur.
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oder: Man muss etwas Neues machen,
um Neues zu sehen. Ich denke die Dolomiten reichen fürs erste. Was meint Ihr? Nicht das es mir nicht gefallen hat, ganz im Gegenteil. Außerdem: Es stellen sich einige Fragen: „Schotter: weniger
oder mehr?“ „Die Gruppe auflösen?“ Das wäre schade! Außerdem wird mir immer vorgeworfen: „Ich würde mich immer steigern wollen“. Das ist nicht wahr.
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Meine Vorschläge.
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Wie wäre es denn mit:
Schweiz - Appenzeller Land oder Tessin oder Engadin oder Graubünden...
Österreich - Bregenzer Wald oder bei uns daheim –
Die Schwäbische Alb durchqueren?
Ja was nun?
Ich erwarte eure Vorschläge und stehe für die Ausarbeitung der Tour zur Verfügung.
Euer Wilfried
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Copyright: Wilfried Eichfelder = www.schenie.de
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