www.schenie.de

ZUR AKTUALITÄT

www.schenie.de
2012 Comer See
2011 Lago di Como
2010 Comer See
2009 Brenta
2008 Grenzkamm
2007 Cortina
2006 Gardasee
2005 Dolomiten
2004 Seiser Alm
2003 Drei Zinnen
2002 Brenta
2001 Appenzell
2000 Sella
1999 Fanes
1998 Gaviapass
1997 Stilfserjoch
Mallorca 2007
Mallorca 2006

E-Mail an Wilfried Eichfelder webmaster@schenie. de

Für die Inhalte der gelinkten Seiten bin ich nicht verantwortlich!

Copyright by Wilfried Eichfelder www.schenie.de Alle Rechte vorbehalten.

1999 Fanes

Die Apfelstrudeltour                                                                           Stand: 12.02.2011-16.05

  • Start / Ziel: Kloster Neustift bei Brixen (Italien - Eisacktal)
  • Daten : 5 Tage / 313 Kilometer / 8805 Höhenmeter
  • Sonstiges: Herrliche Dolomitenpässe-Tour. Hier wurde das Filetstückle Limojoch für die Mountainbiker eingebaut - es hat sich gelohnt! Alles andere ist asphaltiert.
  • Landkarten: Die Generalkarte von Marco Polo Südtirol/Dolomiten 1:200000 / + Kompass Wanderkarte Nr. 56 Brixen 1:50000 / + Kompass Nr.55 Cortina d’Ampezzo 1:50000 / + Kompass Nr.76 Pale di San Martino 1:50000 / + Kompass Wanderkarte Nr.54 Bozen 1:50000
  • 7 Teilnehmer (Bike): Bernhard (Checker Pig) , Gisela (Scott), Martin (Corratec), Stefan (Epple) Thomas (Schauff), Werner (Hopp), Wilfried (TREK). Die Bekleidung wurde bei dieser Tour wieder optimiert! Jungstar Stefan begibt sich mit uns “Alten Herren” auf Reisen und revidiert diese Meinung endgültig nach der Tour. Gisela fährt dieses Jahr ein neues Bike.
  • Zeit: Vom 28. Juli 1999 bis zum 01. August 1999
  • Übernachtung: Würzjochhaus, Faneshütte, Rifugio Giaupass, Hotel Latemar Karersee
  • Pässe: Würzjoch von Lüsen aus, Würzjoch nach Ponte Rü, Limojoch über Pederühütte und Faneshütte, Pso. Tre Crozi, Giaupass von Cortina hinauf, Giaupass nach Selva. d. C. hinab, Passo Valles, Karerpass, Nigerpass, Panidersattel
  • Bericht: Download mehrtägiger Rad-Touren-Bericht hier.
  • Zum Online-Radtourenbericht geht es hier...
  • Bilder: siehe unten
  • Abfahrt

    Kloster Neustift

    Limojoch

    Limosee

    Nach Süden

    Pass gschafft

    Misurinasee

    Pass gschafft

    Päuschen

    Indianer

    Kehre

    Pass gschafft

    Pass gschafft

    Passo Giau

    Pso. Valles

    Pass gschafft

    Hotel Latemar

    Pass gschafft

    Pass gschafft

    Zielfoto

    noch eines

  • Einleitung
  • Erster Tag - Kloster Neustift - Lüsen - Würzjochhaus
  • Zweiter Tag - Börzhütte - Pederühütte - Faneshütte
  • Dritter Tag --Faneshütte - Limojoch - Misurinasee - Cortina - Giaupass
  • Vierter Tag - Rifugio Giaupass - Passo Valles - Karerpass
  • Fünfter Tag - Hotel Latemar - Nigerpass - Panidersattel - Kloster Neustift
  • Schluss
  • EINLEITUNG

    Prolog:

    In meinen Knochen stecken bis jetzt ca. 1000Km Radtouren. Die anderen liegen nicht viel darunter und mehr als 3000Km hat mir keiner genannt. Das Wetter bei uns war bis jetzt verregnet und so manche Krankheit hat einen gerade dann gebeutelt wo es schön war. Es soll dieses Jahr etwas lockerer zugehen sagten wir uns. Mein erster Vorschlag wurde als „unter Wert“ qualifiziert. Also packte ich noch ca. 30Km Kilometer, drei Pässe und dadurch einige Höhenmeter drauf. Damit der Apfelstrudel auch ehrlich erstrampelt wird.

    Seit einer Woche verfolge ich mittels Internet die Wetteraussichten in unserem Zielgebiet. Die letzte 5-Tages-Prognose sagt mittwochs Gewitter und dann bis 35°C mit abendlichen Gewittern voraus.

    Ich beginne mit dem Vorabend. Lampenfieber. Bernhard kommt per Bike von Aitrach voll aufgeladen zu mir. Er wird heute hier übernachten wegen der Auflade-/Einsammelzeit. Gegen 19:00 Uhr ist er da. Es gibt Pasta Rabiata, dazu Memminger Lager mit Williams und Espresso dazwischen. So kurz vor 24:00 Uhr geht jeder von uns in sei Bettle nei. Für mich wird’s eine unruhige kurze Espresso-Nacht. Bani geht’s besser.

    Um 04:15 Uhr stehen wir auf. Katzenwäsche ist angesagt. Dann frühstücken. Um 05:15 Uhr kommt Martin mit Thomas aus Ingerkingen mit seinem betagten aber zuverlässigen Passat. Guten Morgen. Die Bikes und Rucksäcke auf-/einladen. Kurz vor 06:00 Uhr sind wir in Memmingen bei unserer Gisela. Werner hat verpennt. Die erste Flasche Wein heute ist gerettet. Stefan unser Youngster und Neuzugang hat dafür sein Rad schon aufgeladen. Eine Bekannte von mir radelt vorbei. Gemeinsam fuhren wir schon den Bahnweg von Cortina nach Toblach per Langlaufski. Sie beneidet uns und würde gerne mit. Ein Soldat wünscht uns auch gute Reise. Gisela ruft per Handy den Verschläfer an. Keine fünf Minuten später nach dem Zirpen radelt er ums Eck. Er bekam vor der Abreise noch Besuch, die Nacht dauerte etwas länger. Werners Rad noch rauf und daran die italienische Hecklastwarntafel mit Blumenbindedraht anbinden. Um 06:10 geht’s nun ab.

    Drei Stunden später bei wenig Verkehr und abwechselnden Schauern sind wir auf dem Brenner. Ein Bancomat der örtlichen Sparcassa ist unserer Gisela nicht vertrauenserweckend genug. Also rein in ein Café und den ersten italienischen genießen. Gisela kauft nebenzu für 6,50 DM zwei Segafredo-Tassen mit Teller vom Dachboden herab geholt.

    Weiter geht´s. Kurz vor Gossensaß auf die Autostrada gen Bressanone. Der Spaß kostet 4000LIT. In Brixen runter. In Vahrn fehlt auf einmal unsere Gisela. Der EC-Automat dort war viel versprechender außerdem ist der Kurs günstiger wie auf der Paßhöhe. Also warten erst mal sechs Mitfahrer. Nun kommt sie angeschossen und Martin gibt Gummi. Nun das linksabzweigende Sträßlein zum Kloster Neustift suchen.

    Dort beim Kloster stellen wir unsere Autos erst mal total falsch ab. Die Räder werden abgeladen. Das Gepäck gerichtet. Der Hausmeister mit blauer Schürze gibt den Hinweis über Privatbesitz hier und empfiehlt unsere Autos auf der Rückseite des Gebäudes abzustellen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Policia de Comunale ((=städt. Polizei) gerufen wird. Die macchinas (=Kfz) also noch mal umparken. Beide demontierten Fahrradträger in Martins Auto verschließen. Nun dürfte alles gut gehen. Ein wenig Unruhe ist schon noch in der Gruppe.

    Erster Tag: Mittwoch der 28. Juli 1999

    1. Tag:

    32Km

    1700Hm

     

    Steigung: 3*17%

    Kloster Neustift

    11:00 ab

     

     

     

    Lüsen

    12:45 an 1. Pause

    Lüsen

    15:00 ab

     

    Würzhochhaus

    17:45 an

     

     

     

  • Kartenmaterial:
  • Die Generalkarte von Marco Polo Südtirol/Dolomiten 1:200000 u.
  • Kompass Wanderkarte Nr. 56 Brixen 1:50000
  • Um 11:00 Uhr geht unsere Apfelstrudel-Tour sattelgemäß los. Wir fahren die viel befahrene Straße nach Brixen rein. Dabei überholen wir die Autoschlange linksseitig. Dann geht’s links über die Eisack, linksseitig an ihr weiter. Kurz darauf später noch eine Brücke über den Fluss Rienz.

    Nun geht’s satt ansteigend die Ausläuferwohngebiete von Brixen hoch. Dann fällt die wenig befahrene Teerstrecke noch zweimal um danach wieder zu steigen. Es kommt auf der linken Seite eine Q8-Tankstelle, hier werden unsere Stollenreifen mit Pressluft hart aufgepumpt. Noch ein kurzer Anstieg und wir sind in Lüsen. Bis jetzt hatten wir prima Wetter. Das hatten wir noch nie am Start bisher. Wir parken unsere Bikes bei der Pizzeria, betreten die Gaststube und hören: „Zum Essen gibt’s nichts, nur nebenan“. Also Lokalwechsel. 50m zurück per Fuß in die Gaststube mit Metzgerei. Gisela fragt die Gäste vom Nebentisch wie das gut aussehende Mal heißt: „Hirtenmakkaroni“. Da läuft einem ja das Wasser zusammen. Und Gisela bestellt was anderes. Irgend eine der vielen Pastasorten findet jeder von uns. Spiralnudeln die später einigen serviert werden standen aber nicht drauf. Dazu wird Wasser, A-Scho und Vino Rosso getrunken. Noch ein Café Coretto oder normale. Tischrechnung bestellt, was nicht jedem behagt also hiermit ist diese Prozedur endgültig beendet.

    Wir schauen zum Fenster raus und es regnet. Na toll. Stefan wird schon ganz unuhig. Gisela beschreibt die Wolken wie einregnen auf Dauer. Mehrmals gehe auch ich raus und beobachte den Regenfluß und Wolkenformationen. Wir warten bis 15:00 Uhr. Ziehen unsere Regensachen an. Beginnen den Aufstieg. Siehe da, es nieselt nur noch leicht. Hinter Lüsen steigt die schmalere Teerstraße noch satter. Thomas hat seine Trinkflasche vergessen und muss 100m Höhe runter und noch mal rauf, sorry wir haben sie trotz Schlußkontrolle übersehen. Bald entledigen wir uns des Regenschutzes. Mein VDO-Tacho verabschiedet sich wegen Undichtigkeit für immer auf dieser Tour.

    Die schmale Straße ist gut zu befahren. Einige abwärts fahrende LKWs wollen einen Kräftevergleich, ich verzichte gerne darauf und fahr auf den Rand. Oben beginnt es wieder zu regnen. Mir wird kalt. Also Regenzeug an und weiter. Am Wegesrand sehe ich einen schönen Felsen. Der soll als Radständer während meiner Trinkpause herhalten. Das gelingt aber nicht so wie ich wollte. Das Rad knallt voll mit dem Oberrohr an den harten Stein. Der Lack ist ab. So was gibt einem Rad Charakter sagt Gisela nachher zu mir. Charakter bekommen, bedeutet Schmerzen ertragen zu können, so ist das Leben eben.

    Stefan und Werner unsere Warmblüter sind ganz vorn. Bani wartet immer wieder mal auf uns. Martin und Thomas sind am Schluss. Ich bleibe bei Ihnen. Gisela ist so zwischendrin. Auf einmal läuft es bei mir echt super. Irgendwie habe ich den richtigen Tritt gefunden. Ich sehe Bani so 200m vor mir. Er wartet auf mich und gemeinsam fahren wir zur Würzjoch-Paßhöhe (2006m) hoch. Der Regen kann uns nichts mehr anhaben, wir haben schon minderes überstanden. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch neun. Die Räder der beiden ersten stehen geschützt. Ich will meines noch besser verstauen. Da öffnet der Koch die Hintertüre. Wir stellen alle Räder in den Lagerraum. Alle nassen Sachen werden auf die gespannte Wäscheleine gehängt.

    Nun betreten wir die Gaststube. Werner und Stefan haben ihre Weihenstephaner vor sich stehen. Sie empfangen uns mit folgender Nachricht: „Alle Zimmer belegt - wir müssen weiter“. Das hilfsbereite Personal vermittelt mit der Pension Maria in Untermoi, dort kommen aber nur vier von uns unter. Der Rest müsste in ein Hotel vis-a-vis. Wir warten auf die anderen und wollen dann beratschlagen was zu tun ist. Gisela mit Thomas und Martin betreten mit nassen Klamotten müde die Gaststube. Wir bereiten ihnen die traurige Nachricht. Alle haben erst mal was zum Schlürfen. Kurz darauf kommt die zweite Kollegin vom Führungsteam.  Es ist jetzt nach 18:00 Uhr. Sie sagt: „Ihr bekommt das reservierte Lager zusammen. Und wenn die Bergsteiger kommen erhalten diese ein 2- u. 3-Bett-Zimmer.“. Wir sind alle glücklich. Solche Events kennen wir aus den Vorjahren.

    Wir checken nun richtig ins Würzjochhaus = Börzhütte ein. Nach einer heißen Dusche sind wir fit für den Abend. Die Portionen sind ordentlich. Die Preise zivil. Röstkartoffeln mit Ei und Speck. Polenta mit Spaghetti. Kotelett vom Grill. Hausgemachter Apfelstrudel mit Vanillesauce. Hauswein Grauvernatsch gleich literweise. Hosen runterziehenden Grappaschnaps vom Wirt Fritz spendiert. Werner massiert danach Gisela mit ihrem steifen Rücken im Lager oben, währenddessen beginnen böse Zungen zu lästern. Vorsichtshalber lassen wir von der netten Wirtin unsere Schlafplätze auf der Faneshütte reservieren. Später dann. Bei Vollmond betrachten wir den Peitlerkofel. Das Wetter soll besser werden. Wir sind die letzten Gäste und Fritz der Hüttenwirt sagt lobend zu uns: „Eine gute Truppe“. Die Nacht verläuft ohne besondere Ereignisse.

    Zweiter Tag Donnerstag der 29. Juli 1999

    2. Tag:

    41Km

    1400Hm

     

    Steigung: Æ 15%

    Börzhütte

    09:00 ab

     

     

     

    Pederühütte

    12:45 an 1. Pause

    Pederühütte

    14:00 ab

     

    Faneshütte

    15:15 an

     

     

     

  • Kartenmaterial:
  • Generalkarte u.
  • Kompass Wanderkarte Nr. 56 Brixen + Nr.55 Cortina d’Ampezzo 1:50000
  • Das Frühstück um acht wegen frischer Semmel ist ordentlich. Kaffee mit Milch. Wurst und Käseplatte. Genügend Butter und Brot. Es reicht für den Anfang. Gepackt haben wir schon alles. Also noch die große Rechnung begleichen und die Anstrengungen können ihren Lauf nehmen. Das Wetter: Es ist bewölkt, aber trocken. Die Wolken reißen ab und an auf. Das Passschild mit uns benötigen wir noch, doch der zur Hilfe geholte Abdrücker findet nur den OFF-Knopf. Also muss noch mal eines geschossen werden. Werner unser Antifotoler muss einspringen. Deutlich hören wir den Verschluss klicken.

    Wegen dem Wetter: Vielleicht klart es noch auf. Also ganz eben zur Peitlerscharte hin. Ich nehme den Wanderweg über Wurzeln. Stefan lobt mich nicht gerade. Wir stoßen auf den Fahrweg, der geht dann steil bergauf. Stefan lobt mich noch mehr. Ins Tal kann man schon blicken. Aber nach oben ist alles dicht. Wir fahren bis der Weg ein Pfad wird. Das will ich den Trekkies nicht antun. Also zurück. Hüttenwirt Fritz begegnet uns noch mal und wünscht uns alles Gute. Kurz darauf sind wir wieder auf der Paßhöhe.

    Dort machen wir uns abfahrbereit. Flott geht es runter bis Untermoi. Dort wollen wir die links abzweigende schmale Teerstraße über Welschellen nach Zwischenwasser nehmen. Eine gute Alternative die Bani gestern nacht da in der Karte fand. Kein Autoverkehr bis jetzt hier oben. Unten im Gadertal sehen wir den kräftigen Verkehr, den wir nicht unbedingt wollen. Eine tolle Aussicht von hier oben. Unten nach der Brücke müssen wir nur noch 500m auf der Gadertalstrecke bis Zwischenwasser. Dort wird der erste Proviant gebunkert. Weiter geht’s nach St. Vigil. Von dort weiter über Mautstraße (Bike=free) zur Pederühütte. Diese Teerstraße ist wenig befahren.

    Auf der Fahrt lernen wir die beim Wurzelweg umgestürzte Vera und Robert kennen. Aus einer neunköpfigen ((6m/3w) Regensburger Gruppe. Unserer Vorhut pressiert es mal wieder. Sie sind davongeprescht. Martin und Thomas liegen derweil im Gras und bestaunen die steil abfallende Wand des Tamersfels (2143m). Kann man da raufklettern fragen sie mich? Na klar man kann. Eine schöne Landschaft hier. Unsere Vorradler erkennen das gar nicht für eine gemeinsame Pause. Nach Mars, Landjäger und Kit Kat haben Thomas und Martin Kraft getankt. Ich trinke Wasser. Es geht weiter.

    Auf der Hütte mit großem Autoparkplatz sitzen unsere Mitradler bereits zu Tisch. Gisela hat die Lage bereits gepeilt. Doch die Wegesdeutung obliegt einem Schreib-/Trennungsfehler. Die anderen bekommen ihre Spaghetti, ich frage die Hüttenwirtin nach dem Weg zur Fanes-Hütte. Links geht’s zur Sennes und rechts zur Fanes. Also rechts müssen wir. Martin beklagt bereits nudelkauend, dass ich die Bewirtung zum Stocken geraten lasse. Dabei bekommen nur noch Werner und ich unsere Portion. Dann will auch fast jeder einen meiner gepriesenen Schlutzkrapfen. Nun ist es genug. Die angestaute Luft muss raus. Gut gebrüllt Löwe. Sie wird schon wieder klar werden denke ich. Zum Nachtisch gibt’s Café mit Strudel oder Buchweizenkuchen. Flaschen noch mal füllen an der letzten Tankstelle. Damit die Waden nicht heißlaufen.

    Die Regensburger Gruppe kommt kurz vorbei und gibt Gewitter zum Abend vorhersagend bekannt. Wir brechen bald darauf auf. Nun geht’s knackig den scharfkantigen Schotter hoch. Unsere Vorhut hält an den aussichtsreichsten, windgeschütztesten und besten Sitzgelegenheiten. Das tut dann immer so gut, diese ultrakurze gemeinsame Rast zusammen. Stefan hat unseren Weltenbummler Thomas belächelt wegen dem mitgenommenen Mantel. Aber Thomas revanchiert sich, indem er bei einem Überholmanöver dem Stefan Gepäck abnehmen will. Das freut den Stefan nicht gerade richtig.

    Unsere gemeinsam begonnene Radtour durch die Dolomiten hat sich wieder mal gespalten.

    Thomas bemerkt immer wieder: „Auf dieser Tour sehe ich viele Dinge das erste Mal“. Kurz darauf kommt ein Marterl. Dort machen wir letzten vier noch mal eine Flaschenpause mit Minitraubenzucker. Nach dem Aufsatteln ums Eck sehen wir schon die Faneshütte liegen. Gleich haben wir das auch geschafft.

    Schöne praktische und verzinkte Radständer haben sie hier oben auf der Faneshütte. Ein alter zungenheraushängender Bernhardiener bewacht das ganze großmütig. Wir checken dank der telefonischen Voranmeldung ein. Ein 1-Bett-,-, ein 2-Bett- und ein 4-Bett-Zimmer erhalten wir. Noch an der Rezeption trete ich das Einzelzimmer unserer Gisela ab. Ein Strahlen umgibt ihre Lippen. Der Rest wird schon zustimmen. Doch diesmal wird nicht durch sieben geteilt. Gisela wollte auch den Wein vom Vorabend nicht mittragen. Am Ende drückt jeder 47 Mille (=1000) mit kargem Frühstück ab.

    Fast alle von uns waschen ihr Dress nach dem Duschen mit der großen REI-Tube von Stefan durch. Die Wasserzufuhr der Waschbecken ist kontakt- und zeitgesteuert. Besser und länger funktioniert der Spülvorgang unter der Brause. Immer wieder regnet es und klart wieder auf. Die Wäsche muss also innen getrocknet werden. Wir sitzen deswegen auch in der Gaststube und nicht außen.

    Martin und Thomas nutzen die Regenpause zur Pso.-Limo-Besteigung. Das Abendessen ist einwandfrei. Gisela macht danach Bilder von der abendlichen Fanesgruppe. Einige Telefongespräche in die Heimat werden geführt. Die Regensburger Gruppe ist sportlicher wie wir, irgendwie finden wir doch nicht zusammen. Nur Karsten und Vera sind sympatico.

    Dritter Tag Freitag der 30. Juli 1999

    3. Tag:

    63Km

    2200Hm

     

     

    Faneshütte

    08:00 ab

     

     

     

    Cimabanche

    12:45 an 1. Pause

    Cimabanche

    14:00 ab

     

    Misurinasee (einkaufen)

    12:15 an

     

     

     

    Tre Crozi

    13:00 an

     

     

     

    Cortina Mittagspause

    13:15 an

     

     

     

    Giaupaß

    17:50 an

     

     

     

  • Kartenmaterial:
  • Generalkarte u.
  • Kompass Wanderkarte Nr.55 Cortina d’Ampezzo 1:50000
  • Um 07:00 Uhr frühstücken wir. Etwas Brot, diverses Dosenmaterial - Marmelade - Streichkäse - Butter -, gott sei Dank Müsli. Zum Startfoto holt Gisela einen Regensburger strumpfsockend über den steinigen Vorplatz. Einmal OFF-Taste genügt. Nun muss ein Profi ran. Also hoch auf den Pso. Limo. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch acht. Das Wetter: Es ist neblig aber trocken. Martin hat heute seinen Valentinstag, zeigt aber fliegende Reaktion dabei. Was für ein Anblick.

    Weiter geht’s dem Limosee vorbei, später klart es auf. Wir fahren fast im Stand diesen kantigen Eisenbahnschotter hinunter. Unsere Trekkies tun mir leid. Aber keiner klagt. Die herrliche Natur hier oben wird bewundert. Immer wieder überholen wir eine italienische Wandergruppe die uns herzlich begrüßt. Gisela macht ihren ersten Bodenkontakt. Gott sei Dank bei Schrittgeschwindigkeit. Nix passiert bzw. guten Schutzengel gehabt. Der Weg wird nun sanfter und feinschottriger. Die entgegenkommenden Wanderer gehen auf die Seite und bewundern uns. Freundlich werden wir begrüßt. Thomas ist mit seinen Packtaschen und ohne Federgabel bei Ihnen der Champ.

    Im Laufe der Strecke münden wir 7Km vor Cortina d` Ampezzo auf die Straße nach Cortina. Dort fahren wir nach links weiter. Die Strecke ist frisch geteert. Wegen uns musste das nicht sein! Wie ein Magnet werden meine Mäntel angezogen. Auf dem Scheitelpunkt entdecke ich ein braunes Schild. Passo Cimabanche ((1525m). Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch sieben.

    Wir gehen als die ersten Gäste diesen Tages rechts in das Rifugio Cimabanche und bestellen einen Cappuccino bzw. Aqua miserable. Nicht viel später kommt die Nachhut. Martin nimmt sein „süß Stückle“. Das schaut aus wie ein Faschingskrapfen. Und weil wir ziemlich knapp um ein kleines Tischchen sitzen fällt im der Teller zu Boden und zerbricht. „Scherben bringen Glück“. Bei dieser Rast beschließen wir anbetrachts der zuziehenden Bewölkung nicht zum Dürrensee zu radeln ((Dreizinnenblick).).

    Also geht’s weiter. Schnell noch einen Fotograf so ca. 150m hergeholt. Alles wegen der Ordnung eben. Und weiter geht´s. Diesmal auf der alten Bahnlinie nach Toblach. Ein schottriger Feldweg, leicht bergab. Kurz vor Schluderbach kommt mir das vorauseilende Trio hilflos entgegen. Ein gelbes Traversen-Band sperrt den Weg ab. Militärisches Sperrgebiet. Das hat uns gerade noch gefehlt. Ich habe keine Lust diesen nun ansteigenden Schotterweg zurückzufahren. Also rufe ich „scusi maresciallo“.  Der wachhabende Alpini winkt uns zu, dass wir passieren können. Welch ein Glück doch Scherben bringen!  Wir fahren an den vorbildlichst geparkten Fahrzeugen vorbei. Alle Alpinis winken uns freundlich zu. Am Ende des Quartiers öffnet ein Wachposten die Schranke und nimmt Haltung an. Grazie erwidern wir.

    Bald darauf münden wir in die Teerstraße nach Misurina. Ab und an reißt rechterhand der Monte Cristallo auf.  Beeindruckend dieser Dreitausender mit diesen Wolkenwirbeln. Gisela macht sicher schöne Fotos. Auf dem weiter ansteigendem Weg sehen wir die schön gelegene Hütte Fratelli Fonda-Savio. Dort verbrachte ich auch schon ein paar Tage. Zu unserer Linken machen sich zwei der Drei Zinnen auf. Leider sind ihre Gipfel in Wolken.

    Martin hat ein Energieloch. Er will im kurz vor Mittag noch offenen Spar-Super-Mercato Bananen und Kit Kat bunkern. Also macht nur der Rest beim Misurinaschild (Col S. Angelo 1756m) ein obligatorisches Bildchen. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch sechs.

    Kurz nach zwölf Uhr sind wir am Misurinasee. Gisela entdeckt eine Pizzeria. Ich schlage vor noch die 50Hm zum Pso. di Tre Croci hoch zu treten und die Aussicht auf Cortina zu genießen. Angenommen. Bananen und Riegel selbstbedient gekauft und noch mal die leeren Flaschen füllen. Erst geht’s eben weiter durch diesen touristischen Höhepunkt der Dolomiten und dann müssen wir noch ca. 100m abfahren bevor es rechts zum Pass ab geht. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Sind alle beim Essen scheinbar. Gegen 13:00 Uhr erreichen wir den Pso di Tre Croci ((1809m). Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch fünf.

    Die dürftige Aussicht und das große graue Hotel sagen uns nicht so sehr zu. Also rollen wir weiter abwärts. Einen Luxemburger halten wir dabei auch noch mit seiner Kamera fest. Nun folgt Ristorante an Ristorante. Die Tofana (3244m) wendet rechterhand ihr volles Antlitz uns zu. Zur linken steht der Sorapis (3205m). In der Mitte sehe ich unser Tagesziel. Den Nuvolau (2648) mit der la Gusella (2593m). Dort liegt der Giau-Paß (2236m).

    Gisela wünscht sich wieder mal eine Pizzeria. Ein Lokal auf der rechten mit vielen Gästen macht einen tollen Eindruck ist aber voll besetzt. D.h. sieben Personen an einem Tisch impossibile (=unmöglich). Es geht auf 13:30 zu. Fast schon in Cortina entdecken wir ein kleines aber feines Ristorante. Es liegt sonnig und hat genügend Plätze frei. Es gibt noch mal einen kurzen Disput weil es keine Pizzeria ist. Dabei denke ich doch nur an Martins Energieloch und die fortgeschrittene Zeit. Die Pastagerichte hier sind zwar klein, dafür aber sehr köstlich. Bani bestellt gleich zweimal Bandnudeln mit Pfifferlingen. Bei dieser herabbrennenden Sonne werde ich hinterher wie ein Ringelwurm in der Sauna aussehen, weiße Stellen sind Schuhe, Hose, Handschuhe, Stirnband. Ich bin anbetrachts der Hitze so verwirrt, dass ich der Chefin meine Kompass Karte in die Hand drücke statt der Speisekarte. Ihr Gesichtsausdruck war noch verwirrter. Gisela verzichtet auf den Apfelstrudel. Sie will ein Handeis aus einer ächt italienischen Eisdiele schlecken. Das macht sie jetzt an. Sie fährt voraus findet aber keine. Dann überhole ich und fahre an der eisdielenversprechenden Fußgängerzone vorbei.

    Nun geht’s nach Pocol hoch. Das erste Stück der Falzarego-Paßstraße. Auf einmal steht der gejagte Etappensieger der Regensburger Gruppe vom Rif. Fanes vor uns. Seine Jäger kommen sogleich. Wir begrüßen uns kurz und dann sagen wir adieu. Welch ein Zufall. Abgesprochen hätte das nicht so auf die Minute geklappt. Beim Hotel Argentina füllt Martin noch mal seine Trinkflaschen. Gisela erbittet sich Zeit für ein Steckerleis. Bewilligt. Gott sei Dank der Friede ist wieder hergestellt. Jetzt sind es nur noch 700Hm. Die Wolken schieben sich grimmig zusammen.

    Nach Pocol geht’s noch mal kurz abwärts und dann beginnt die Schufterei. Unser mittlerweile zweigeteilte Gruppe trennt sich wieder mal. So schöne Plätze bieten sich zu einer gemeinsamen Rast an. Nein es ist so windig und kalt. Das Rifugio Giau-Paß oben gibt Schutz und Halt am Weizen-/Teeglas. Dabei ist es doch so herrlich hier. Gisela spendiert eine Tafel Schokolade. Thomas möchte gar nicht mehr hoch. Er genießt die Wände gegenüber. Martin ist total relaxt im Gras versunken. Eine gute halbe Stunde verbringen wir hier und träumen. Dann brechen wir auch auf zum Rifugio. Der Tag wird noch schön. Kehre für Kehre kämpfen wir uns nach oben. Dann haben wir es geschafft. Mit fröhlichem Händeklatschen begrüßen uns die italienischen Fans als die Nachzügler und doch als gemeinsame Sieger unserer Apfelstrudeltour. Das freut uns alle. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch vier.

    Das Vorauskommando hat schon die ersten Übernachtungsgespräche geführt. Das Bett bekommen wir für 70.000Lit inkl. reichhaltigen Frühstücksbüffet um sieben Uhr. Zwei Doppelzimmer und ein Dreimannzimmer. Was will man mehr? Erst mal duschen! Die verschwitzten Sachen trocknen bzw. lüften. Dann noch ein bisschen diesen herrlichen Ausblick genießen. Die Marmelade versteckt sich im Dunst. Und Bani wollte sie doch unbedingt sehen. Wird er wohl noch mal herfahren müssen. Vielleicht klappt es dann besser. Mit der Marmelade meine ich.

    Um 19:30 Uhr gibt’s Nachtessen. Die Gerichte sind kleiner dafür etwas teurer aber wirklich alles erste Qualität. Die Bedienung eingeschlossen. Kostenlos gibt’s Sardine selbsteingelegt als Gaumenträtzer. Am besten geht heute Spaghetti Aglio e Oglio con Peperoni als Vorspeise. Wenn schon, dann stinken wir alle. Ein etwas anderes Rezept wie meines zwar. Spaghetti No. 3, keine Petersilie und dann noch Tomatenwürfel drin. Es schmeckt aber trotzdem toll. Gisela nimmt gleich noch mal eine Portion, so gut ist dieses olivenölhaltige Gericht noch! Diese Nacht verbringt sie deswegen nicht nur im Bett. Unsere Hotelchefin ist so lieb und gutmütig zu uns. Mit einer Herzensgeduld erklärt sie uns die Gerichte. Dann offeriert sie uns noch diverse Grappageschmäcker und lässt zu ihrem Leidwesen die noch prall gefüllten Flaschen auf dem Tisch stehen. Nun verbilligen wir unseren Übernachtungspreis jedesmal um 5500Lit. Dazwischen gibt’s Rotwein vom Faß. Es wird wieder lange hier oben. Wieder mal als letzte gehen wir dann doch ins Bett.

    Vierter Tag Samstag der 31. Juli 1999

    4. Tag:

    92Km

    2250Hm

     

     

    Rifugio Giaupaß

    08:00 ab

     

     

     

    Falcade (Café, Eis)

    10:00 an

    Falcade (Café, Eis)

    10:30 ab

     

    Passo Valles

    12:30 an

    Passo Valles

    13:50 ab

     

    Moena (Café)

    18:15 an

     

     

     

    Karerpaß

    19:20 an

     

     

     

  • Kartenmaterial: #
  • Generalkarte u.
  • Kompass Wanderkarte Nr.55 Cortina d’Ampezzo + Nr.76 Pale di San Martino 1:50000
  • Das Frühstück ist erste Sahne. Der Sohn der Chefin fragt mich ob wir Kaffee wünschen oder doch lieber Glühwein. Nein Kaffee. Dann bringt er jedem ein Ei. Der scheint ganz begeistert zu sein von uns, so nett ist der zu uns. Dann köpft der vor aller Augen eine Flasche Prosecco und reicht jedem ein Glas. Schaut so aus als ob wir uns hier anständig aufgeführt hätten. So ganz der italienischen Lebensweisheit nach, das Leben genießen. Denke ich so, ganz ohne schlechten Gewissens.

    Dann gehen wir raus. Die Räder rufen nach uns. Die Sicht ist dank Nebels nicht weltbewegend. Der Juniorchef macht noch ein Bildchen von uns und schenkt jedem einen Passo Giau Aufkleber. Mensch die müssen wir ja beeindruckt haben. Oder war die Zeche so hoch? Dann brechen wir abwärts. Nach Selva di Cadore runter. So gute 1000 Höhenmeter stürzen wir hinab. Die Bremsgummis werdens schon riechen äh richten. Unten angelangt wird erst mal die Windschutzeinrichtung abgenommen.

    Die Civetta (3220m) reißt auf. Was für ein Anblick. Nein diesen Gipfel habe ich noch nicht bestiegen. Was Soll`s. Wir radeln leicht abfallend nach Alleghe rein. Was für ein Gefühl überkommt mich. Diese Italiener hier. Sie kommen uns wandernd entgegen. Dann drehen sie sich zu uns. Ganz enthusiastisch schauen sie uns zu und grüßen uns liebenswürdig. Nein wir sind nicht auf der Tour de France. Aber irgendwie scheinen die Italiener unsere Leistung respektabel ehren zu wollen. Hat doch jeder von uns einen Rucksack oder Satteltaschen. Außerdem ist es noch früh am Tag. Sind unsere Gesichter von den Anstrengungen gezeichnet? Oder geben wir ausnahmsweise mal eine zusammenreisende Radwandergruppe ab? In Alleghe decken wir uns mit frischen Bananen ein. Martin kauft seinen Tagesbedarf Mars und Kit kat. Alles rein in die Lenkertasche. Und los geht´s. Nach Cencenighe noch ein paar Kilometer.

    Dann beginnt der Trip zum Pso di Valles hoch. Noch eine kurze gemeinsame Trinkpause. Dabei fährt ein weißes VOLVO-Cannondale Giro-Tour-Begleitfahrzeug mit laut schallender Fanfare grüßend vorbei. Diese Verbundenheit unter Radlern, einfach überwältigend. In Pie Falcade entdecken wir eine einladende Konditorei und Gelateria. Also rein. Diese gemeinsamen Pausen sind doch selten diesmal. Thomas wechselt inzwischen seine Bremsbeläge. Aluspäne der Felge haben sich in den Gummi gearbeitet und ein nervenzermürbendes Metall auf Metallgeräusch verursacht. Stefan sind die vielen Pausen ein Gräuel. Und Gisela nimmt noch ein frisches Eis. Ich traue mir gar keines zu kaufen. Was man nicht alles dulden muss in so einer guten Gruppe!

    Dann geht’s richtig nach Falcade rein. Eine schöne Serpentine mitten im Ort. Am Rand pflückt ein Wanderer Walderdbeeren und Bani rätselt was der wohl dort stocherte. Wieder mal trennt sich unsere gute Truppe. Ich ziehe meine Regensachen an. Ganz leicht und beständig nieselt es. In einer Spitzkehre überholt mich Gisela. Ich schließe auf schiebe sie am Rücken und da bemerkt sie, dass ich zu Fuß so schnell bin wie sie mit dem Rad. Noch mal ein Kehre rum. Wir pusten beide auf! Da zieht es sich hunderte Meter bergauf die nächste Kehre schon in Sicht. Wann nimmt das ein Ende heute? Oben in dieser Kehre warten wir beide auf Martin und Thomas. Ich beschließe anbetracht der Leistung und der Zeit in Folge abzukürzen. Den Costazza-Paß werden wir nicht überwinden. So sparen wir 470Hm für heute. Wir müssen nach der Abfahrt ja noch die 600Hm zum Karerpaß rauf. Die Vorhut merkt das bestimmt nicht wenn ich einfach durchradle statt links abzubiegen. Nun ist es nicht mehr weit zur Paßhöhe. Zum Schluss ist es fast eben. Passo di Valles geschafft! Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch drei.

    Eigentlich wollten wir in einer Malga ((=Almwirtschaft) so richtig zünftig Käse und Milch genießen. Aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Gott sei Dank verlassen viele Besucher das Pass-Rifugio. So bekommen wir einen großen Tisch. Das Preisniveau ist günstig. Die Portionen eher klein. Die Italiener bestaunen unsere japanisch-schwäbisch-schweizerische angebaute Technik an den Rädern. Martin sitzt ganz traurig draußen im Regen. Erst Thomas gelingt es ihn an unseren Tisch zu holen. Eine Knödelsuppe richtet ihn wieder auf. Waren das die Spätwirkungen des Grappas gestern?

    Draußen entladen sich die Wolken. Die Kühe hieroben suchen Unterstand in einer Kapelle. Stefan sieht schon wieder einen Dauerregen und bekommt Fieber dabei. Der wird mir doch nicht krank werden jetzt?

    Nach dieser ausgiebigen Pause und einem Coretto ziehen wir uns wieder mal die Downhillklamotten an. Der Regen hat momentan nachgelassen wird uns die gesamte Abfahrt immer wieder mal abkühlen. Die Wolken machen nicht mehr großartig auf. Der Aufstieg zum Costazza-Paß dadurch automatisch erledigt. In Predazzo (1018m) entledigen wir uns der Regenklamotten. Nun steigt´s wieder auf viel befahrener Trasse bis Moena (1184m).

    Dort an einer Tankstelle erkundige ich mich nach dem Schotterweg rauf zum Karerpaß. Dann noch ein Cappuccino. Viel Verkehr hier im Ort. Polizisten regeln den abbiegenden Verkehr. Nun geht’s satt hoch auf Teerstraße zur Malga Roncac. Von da an leicht eben. Schotterweg. Mit überraschender Abfahrt und Tobel-Brücke. Eine geile Passage. Stefan schiebt und Thomas fährt. Wenn ich nur wüsste was den so beflügelt hat? Das Wetter macht mit und um 19:00 Uhr stehen wir beim Passschild Karerpaß. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch zwei.

    Nun beginnt die Quartierfrage. Erste Station Absage. Zweite Station noch mal Absage. Abwärts rollen. Schloss Latemar liegt vor uns. Zögerlich betreten wir die Empfangshalle. 78.000 Lit die Nacht inklusive Frühstücksbar um acht. Wir entscheiden gemeinsam: Das nehmen wir. Stefan war total ausgekühlt und wäre bereit gewesen einiges mehr dafür hinzulegen. Gisela inspiziert die Zimmer. Wir rücken ein. Schnell heiß und eng geduscht! Die Schuhe an die Frischluft. Runter an die Bar. Dem Sohn vom Wirt noch einen Weizeneinschenkkurs gegeben. Alle wirken vergesslich heute. Was soll das? Karten, Schlüssel, Pullover... werden an der Bar vergessen. Die ersten Hinweise darauf dass die Kondition schwindet?

    Die Pizza bei Sonja Weissensteiner schmeckt hervorragend. Der Wein dazu auch. Um 23:00 Uhr schließt die Pizzeria. Die Taverne hat noch auf. Martin und ich verpassen den Eingang. Also geht’s mal vor zwölf ins Bett. Um 02:30 Uhr wecken mich Bani und Thomas. Was hab ich blos versäumt?

    Fünfter Tag Sonntag der 01. August 1999

    5. Tag:

    85Km

    1255Hm

     

     

    Hotel Latemar

    09:00 ab

     

     

     

    St. Michael

    12:15 an

    St. Michael

    12:45 ab

     

    Panidersattel

    13:15 an

    Panidersattel

    14:30 ab

     

    Kloster Neustift

    15:30 an

    Kloster Neustift

    16:00 ab

     

  • Kartenmaterial:
  • Generalkarte u.
  • Kompass Wanderkarte Nr.54 Bozen 1:50000
  • Diesmal frühstücken wir erst kurz vor Acht. Der frischen Semmel wegen. Die Italiener im Fassatal machen es sonntags möglich. Wir sind trotzdem die ersten hier in diesem großen Frühstücksraum. Das offerierte Büfett ist ein Traum: Müslis aller Art, eingelegte Pflaumen, Honigmelonen, Marmeladen alle offen, Honigmelonen, Wurst und Käse, Butter und Nutella im Plastik, Joghurt, Obst, selbstverständlich Honigmelonen. Da machen sich die 78mille bemerkbar.

    Unsere drei Nachtwachen sind erstaunlich munter. Der Koch fehlt dafür. Der Chef, der die letzte Flasche Wein spendiert hat, ist auch schon munter. Es freut ihn, dass der Koch schlapp gemacht hat. Beim Anziehen merke ich, dass meine geliebten Handschuhe nicht da sind. Also Rucksack wieder auspacken. Gisela gibt mir den Tip, dass sie vielleicht im Anorak stecken. Gute Ideen hat sie, unsere Gisela. Die letzte Etappe kann beginnen. Alle Räder sind gesattelt. Der Fotograf aus der Oberpfalz ist auch schon in die Kamera eingewiesen. Klick und der Hotelchef öffnet die Seitentüre. Er grüßt noch mal herzlich: „Ihr könnt jederzeit wiederkommen, und Bani beim Panidersattel denkst noch mal an mich, das ist dann die letzte Flasche Roten“.

    Wieder mal muss ich sagen: Erschöpft kommen wir jeweils abends in unseren Quartieren an, die Abende werden immer gesellig und dadurch kurzweilig lange andauernd. Wir sind dabei immer angenehme und ruhige Gäste. Anders kann ich mir die Aufmerksamkeiten der Gastgeber nicht erklären.

    Links hinter uns kommt die Latemargruppe raus. Toller Anblick mit den rätselhaften Wolken. Aber wer sieht das schon oder will das noch sehen heute zum Schluss? Rechterhand der Rosengarten. Die Rotwand (2723m), vorbei am Tschager Joch (2630m) dann folgt die Rosengartenspitze ((2741m). Wen interessiert das schon? Immer schön das Shimano-Tretlager vor Augen. Was für ein Gegenwert? Kurz vor dem Nigerpaß eine ZIEL-Linie. Ich reiße die Arme hoch. Endlich mal Sieger in diesem Rennen! Bergab hab ich doch schwere Vorteile. Nur Stefan kann mir folgen. Busse und Kleinstautos werden gnadenlos überholt. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s nur noch einer.  

    Vor Tiers geht’s über 20% runterwärts. Danach rechts ab nach Prösels. Noch mal Downhill 28%. Und zur Überraschung gleich wieder bergauf nach Völs rauf. Das kostet wieder Bananas. Mein Piratentuch saugt sich noch mal voller Schweiß. Weiter geht’s leicht ansteigend nach Seis. Kurz vorher mach ich noch mal Rast links auf einer Bank in der Sonne. Die Vorhut zieht den schattigen Platz an der Straße vor. Ich genieße den Blick auf die Santnerspitze (2414m) wenn der Wind die Wolkenfetzen weiter treibt. Inzwischen haben die „Gemütlichen“ aufgeschlossen und dann geht’s weiter nach Kastelruth.

    Nun kommt unsere letzte Herausforderung: Der Panidersattel- Flasche leer. Unsere Zwischenetappengaststätte St. Michael ist dank guter Bewirtung für zusätzliche sieben Tischgäste nicht vorbereitet. Ein bereits abgespeister Gast zeigt sich unfreundlich und beharrt auf sein Tischrecht. Also alles Murren nutzt nichts. Wir müssen noch da rauf auf den Panidersattel (1442m)! Man das zieht sich hin. Dann haben wir es geschafft. Zehn schöne Pässlein, nun waren’s keiner mehr.  

    Nachdem wir alle versammelt sind arrangieren wir uns das vorletzte mal für diese Tour unter bzw. um das Passschild. Ein in der Nähe sitzendes italienisches Paar drückt auf den Auslöser dabei. Rechterhand liegt unser Speiselokal. Na dann Mahlzeit. Wir rollen noch ein paar hundert Meter bis dorthin. Der Parkplatz ist genauso voll wie vorhin. Stefan prophezeit negativ denkend „alles besetzt“. Nur nicht gleich aufgeben! Da hinten links ist ein großer Tisch frei. Nur für uns. Und toller Blick auf die Cirspitzen, Grödnerjoch und den Sellastock, rechts davon der Langkofel. Alte Bekannte von mir. Seid recht herzlich gegrüßt.

    Das Weißbier mundet vielen. Das Essen ist recht gut und vielseitig hier oben. Der Himmel verspricht heute noch nasse Abwechslung. Also letztes Mal den Geldbeutel auf und dann geht’s fast 1000Hm und ca. 20Km fallend nach Brixen. Zuerst runter nach St. Ulrich. Von dort aus links. Bei Pontives geht’s rechts ab „Direzione Autostrada Brennero“.Das läuft toll hier. Immer leicht fallend. Da kann man die letzten Briketts noch ins Feuer legen. Denn wenn alles verheizt ist wartet ein weicher Autositz und die schöne Heimfahrt.

    Um 15:30 Uhr sind wir beim Parkplatz. Schnell noch die Dachträger montiert. Ein Abschlussfoto mit Wolken gemacht. Um 16:00 Uhr geht’s heimwärts. Gute drei Stunden später sind wir Zuhause.

    Dank brauchbarer Wetterverhältnisse, ausreichender Kondition und Glück bzw. vorsichtiger Fahrweise haben wir es mal wieder komplett in der geplanten Zeit geschafft. Doch ein bis zwei Reservetage sollte jeder zukünftig einplanen (Reparatur, Sturz, Wetter). Hätten wir es nicht geschafft, so hätten wir dafür Lebenserfahrung mit heimgenommen.

    Auch wenn so mancher denkt „dies war endgültig meine letzte gemeinsame Tour“. Nach dem Winter, wenn die Straßen wieder frei sind, die Luft wärmer – man braucht doch ein Ziel – wo soll sie denn hingehen die nächste Tour?

    So, dass waren meine Eindrücke. Manchmal würde es mich schon interessieren wie die anderen diese Tour niederschreiben würden. Ob ich das jemals erfahren darf?

    Liebe Grüße

    Euer Wilfried

    Schluss

    1. Tag:

    32Km

    1700Hm

    2. Tag:

    41Km

    1400Hm

    3. Tag:

    63Km

    2200Hm

    4. Tag:

    92Km

    2250Hm

    5. Tag:

    85Km

    1255Hm

    1. - 5. Tag:

    313Km

    8805Hm

    Copyright: Wilfried Eichfelder = www.schenie.de